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Herr Prof. Dr. Winfried Hofmann verstorben

News vom 16.01.2023

Es ist unsere traurige Pflicht den Tod von Herrn Prof. Dr. Winfried Hofmann bekannt zu geben.

Am 6. Januar 2023 verstarb nach mit großer Geduld ertragener Krankheit der ehemalige Leiter der Klinik für Klauentiere, Prof. i. R. Dr. Winfried Hofmann, in seiner Wahlheimat Gießen. Geboren am 21. April 1935 in Chemnitz, besuchte er die Grund- und Oberschule und legte unter schwierigen Bedingungen das Abitur ab, da sein Vater zur selben Zeit wegen der Anschuldigung „staatsfeindlicher Umtriebe“ inhaftiert war. 1953 nahm er in Leipzig das Studium der Veterinärmedizin auf, welches er nach seinem Wechsel in den Westen Deutschland in Gießen fortsetzte. Nach der Approbation im Jahre 1958 erhielt er eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle am Veterinärphysiologischen Institut in Gießen, wo er 1960 mit einem „Beitrag zur Bewegungsanalyse der Hausgans“ promoviert wurde. Danach folgte 1969 der Wechsel an die Medizinische und Gerichtliche Veterinärklinik der Justus-Liebig-Universität. Er habilitierte sich unter Herrn Prof. Dirksen, und 1980 wurde er zum Professor ernannt. 1985 folgte der Ruf auf die C4-Professur „Krankheiten der Wiederkäuer und Fortpflanzungskunde“ an der Klinik für Klauentiere, Fortpflanzung und Haltungshygiene der Freien Universität Berlin, welcher er bis zu seiner Pensionierung innehatte.
Prof. Hofmann war Autor von mehr als 150 Fachpublikationen sowie Herausgeber zweier Lehrbücher sowie Coautor weiterer Fachbücher. Insbesondere das von ihm herausgegebene und immer noch eifrig nachgefragte Buch „Rinderkrankheiten“, welches er selbst als „kurz gefassten, der Praxis gewidmeten Leitfaden“ verstand, erfreut sich bei den Studierenden und Praktikern großer Beliebtheit. Der Verstorbene unterhielt intensive Kontakte zu veterinärmedizinischen Fakultäten im In- und Ausland, wobei die Fakultäten in Assiut (Ägypten) und in Heredia (Costa Rica) hervorzuheben sind. Prof. Hofmann war langjähriger Leiter der DVG-Fachgruppe Rinderkrankheiten, Mitglied im Board der Weltgesellschaft für Buiatrik und Ehrenmitglied dessen Exekutivkomitees. Ein besonderes Anliegen waren ihm auch die Kontakte zu den Kollegen in Mittel- und Osteuropa; so war er nach der „Wende“ Mitinitiator des inzwischen jährlich stattfindenden Mitteleuropäischen Buiatrikkongresses. Aus seiner DVG-Tätigkeit resultierte die Etablierung des Berlin Brandenburgischen Rindertages, der von Wissenschaftlern, aber vor allem von den in der Rinder- und Gemischtpraxis tätigen Kollegen sehr geschätzt wurde, da dort aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Buiatrik in komprimierter Form vermittelt wurden. Darüber hinaus engagierte er sich in verschiedenen Gremien für die veterinärmedizinische Ausbildung und vertrat die Interessen des Berufsstandes. Studierende, Kolleg:Innen, Mitarbeiter:Innen und Kund:Innen der Klinik für Klauentiere schätzten seine hohe Fachkompetenz und sein Engagement für „seine“ Klinik und das Wohlergehen der Nutztiere. Auch nach seiner Emeritierung zeigte er lebhaftes Interesse an den Entwicklungen am Fachbereich Veterinärmedizin. Mir erwies sich mein Vorgänger bis zum Dezember letzten Jahres als hoch geschätzter Ratgeber und besonderer Freund. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, und wir werden seine Persönlichkeit und seine Leistungen respektvoll in Ehren halten.

Prof. Kerstin E. Müller

Klinik für Klauentiere, Fachbereich Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin

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