Bestandsverluste der Bibliothek

Die Aufschlüsselung der Zahlen macht deutlich, dass zwei Drittel des vor 1912 erworbenen Schrifttums, mithin bedeutende Werke aus den Anfängen der Tiermedizin, verloren gingen. Dies wird auch aus dem folgenden Katalogausschnitt ersichtlich

Die Aufschlüsselung der Zahlen macht deutlich, dass zwei Drittel des vor 1912 erworbenen Schrifttums, mithin bedeutende Werke aus den Anfängen der Tiermedizin, verloren gingen. Dies wird auch aus dem folgenden Katalogausschnitt ersichtlich

Ausschnitt Katalog (3): nur wenige Annotationen „vh“ = vorhanden: zum Verlust gehört u.a.: Ruini, Carlo: Anatomia del cavallo. 1599 Aa 4090

Ausschnitt Katalog (3): nur wenige Annotationen „vh“ = vorhanden: zum Verlust gehört u.a.: Ruini, Carlo: Anatomia del cavallo. 1599 Aa 4090

Die Fusion der beiden Veterinärmedizinischen Fakultäten in Berlin im Jahre 1992 erbrachte auch neue Einblicke in die Ursachen der Kriegsverluste der Bibliothek der ehemaligen Tiermedizinischen Hochschule Berlin (TiHo).

Bereits 1950 gab Beutner,(1) Leiter der Berliner veterinärmedizinischen Bibliothek bis Sommer 1944, einen generellen Überblick über Bestandsverluste an tierärztlicher Literatur nach dem Krieg. Für Berlin bezifferte er den Verlust auf 37.000 Bände, gibt jedoch keinen Hinweis auf die Ursache des Verlustes. Noch im Jahre 1989 wurde der Verlust des Bibliotheksbestandes auf Bombentreffer am Hauptgebäude in der Luisenstraße, dem damaligen Standort der Bibliothek, zurückgeführt. Die Übernahme der Bestände förderte jedoch Aktenmaterial zu Tage, welches den Verlust nunmehr als Folge der „Beschlagnahme von schätzungsweise 35.000 Bänden wertvollster neuerer wissenschaftlicher Fachliteratur wie alter bibliophil wertvoller Bände durch die Besatzungsmacht“ beschreibt. Das Geschehen um die Bibliothek in der zweiten Maihälfte 1945 wird von Brumme(2) in einem umfangreichen Bericht geschildert, zu dem ihn die intensive Begutachtung der für den neuen Standort Düppel zu übernehmenden Altbestände veranlasste.

Vor den geschilderten Hintergründen wurde in der Bibliothek ein gedruckter Bestandskatalog von 1912(3) überprüft, der in den sechziger Jahren als Grundlage für eine Revision der Bestände in der damaligen Abteilungsbibliothek Veterinärmedizin der HU gedient hat. Die Analyse ergibt ein deutliches Bild über die Zusammensetzung der Verluste: gemäß Katalog betrug der Anfangsbestand im Jahr 1912 ca. 12.900 Bände. Bis zum Jahre 1945 wurden 45.100 Bände dazu erworben, so dass ca. 58.000 Bände gegen Kriegsende vorhanden waren. Die Verluste betrugen 43.700 Bände, wovon 8.700 vor 1912 und 35.000 zwischen 1912 und 1945 erworben wurden.


Fußnoten:

  • (1) Beutner, K. : Verluste an tierärztlicher Literatur in deutschen Bibliotheken. Deutsche Tierärztliche Wochenschrift 57 (1950), 245-246
  • (2) Brumme, M. F.; Bornemann, R.: „Spoils of war“ – Die Verluste der Veterinärmedizinischen Bibliothek Berlin im Jahre 1945. Berliner Münchener Tierärztliche Wochenschrift 109 (1996), 184-189
  • (3) Katalog der Bibliothek der Königlichen Tierärztlichen Hochschule Berlin : Bestand am 1. Oktober 1912. - (Magdeburg : Zum Gutenberg Dr.), 1913. - XI, 1038 S