Querschnitt und Grundriß des Anatoischen Theaters. D. Gilly, 1797. (Aus: Rüsch 1997, Abb. 223)

Querschnitt und Grundriß des Anatoischen Theaters. D. Gilly, 1797. (Aus: Rüsch 1997, Abb. 223)

Langhans wählte eine kreisrunde Form für den Hörsaal, der in seinen ansteigenden Sitzreihen ca. 150 Zuhörern Platz und optimale Sicht auf den Präparationstisch in der Mitte bietet. Das Licht kommt durch die Deckenlaterne und die Fenster im Tambour, dem Mauerring unterhalb der Kuppel. Die übrigen Räume mit Bibliothek und Präparationsstuben gruppieren sich darum herum. Im Grundriß entsteht so ein Quadrat mit Vorlagen, der kreisrunde Hörsaal (13m Durchmesser) bildet das Zentrum. Auch im Außenbau läßt sich die Verbindung eines zylinderförmigen Raumes und des ihn umgebenden Kubus ablesen. Der Hörsaal schiebt sich durch den Fenstertambour aus dem Kubus heraus und wird durch die halbrunde Kuppel noch stärker akzentuiert.

Die fünfachsigen Fassaden sind zu drei Seiten annähernd gleich gestaltet. Jeweils die mittleren drei Fensterachsen springen als Mittelrisalit etwas vor [Risalit: ein aus der Bauflucht vorspringendes Gebäudeteil, von it. risalto]. Die gleichförmigen Fensterbahnen fassen geschickt zwei Geschosse zusammen. Die unteren Fenster schlossen früher mit dem Sockelband ab (sie wurden später nach unten vergrößert). Darüber befindet sich eine Balustrade, und der Rundbogen der oberen Fenster ist zugleich der obere Abschluß der etwas eingetieft liegenden Fensterbahn. Die Schlußsteine in Form von Stierskelettschädeln leiten zum Triglyphenfries über, der das gesamte Gebäude umläuft. Der Mittelrisalit der Hauptfassade ist nur eine Achse breit, dafür aber von einem Dreiecksgiebel bekrönt. Hier befindet sich das Hauptportal, das von zwei dorischen Säulen flankiert und am oberen Abschluß von einem Löwenfell geschmückt wird. Die Hauptfassade zeigt deutlich die besondere Ausgewogenheit des Baus. Die Zusammenfassung der beiden Geschosse in den Fensterbahnen vermeidet eine vertikale Zergliederung und verknüpft die Fensterachsen mit den Proportionen des monumentalen Hauptportikus.

Anregungen und Vorbilder für Langhans’ Anatomisches Theater

Auch im späten 18. Jahrhundert waren die architekturtheoretischen Schriften der Renaissance noch verbindlich. So schrieb der Renaissancearchitekt und -theoretiker Andrea Palladio: "Aber die schönsten und regelmäßigsten Formen […] sind die runde und die viereckige Form". Man schätzte die harmonische Wirkung, die von diesen Formen ausging und wendete sie z.B. in Kirchenbauten auf zentralisierten Grundrissen an. Aber auch zu Wohnzwecken wurden Zentralbauten entworfen.