Anatomisches Theater. Lithographie nach einer Zeichnung von C.L. Müller, um 1800. (Aus: Denkmaltopographie Mitte, S. 72)

Anatomisches Theater. Lithographie nach einer Zeichnung von C.L. Müller, um 1800. (Aus: Denkmaltopographie Mitte, S. 72)

Zu den frühen, von Langhans entworfenen Gebäuden der Tierarzneischule gehörten ein abgegrenzter kleinerer Stall für rotzige Pferde, eine große Schmiede und das heute noch erhaltene Anatomietheater (der Anbau stammt aus späterer Zeit). Zwei bereits vorhandene Gebäude wurden zu Ställen für ca. 40 Pferde umgebaut. Zudem wurde eine Reitbahn angelegt, ein Mazerationshaus und ein warmes Bad für Pferde gebaut. Langhans bewies des öfteren technisches Interesse und durchaus auch Geschick, aber das Bad stellte sich als unpraktikabel heraus, da die zu erwärmende Wassermenge zu groß war.

Während die Ställe und ein Wohngebäude in günstigem Fachwerk gebaut wurden (und bereits ab 1832 abgebrochen wurden), entstand das Anatomische Theater als Putzbau. Als Kernbau der Anlage wurde es -heute nur noch aus frühen Abbildungen ersichtlich- auf einem Hügel angelegt und mit besonderer Sorgfalt auch in der Gestaltung der Fassaden hervorgehoben. Hierin spiegeln sich Grundgedanken von Cothenius aus dem Jahre 1768. Er hatte in seiner Denkschrift die Anatomielehre als den eigentlichen Kern der Ausbildung hervorgehoben: "Der anatomische Unterricht ist der erste, und gleichet den Buchstaben im Alphabet, ohne deren Kenntniß man durchaus keine Sylben formiren, und Wörter lesen kann." […] "Es ist ferner ein Gebäude nöthig, welches zu diesem Zwecke bestimmt, und worinn alles im erforderlichen Stande ist. Das Theater, wo man dem Publiko, und besonders den Physicis, und allen Fremden zum Besten, die Demonstrationen macht, muss geräumig, hell und luftig, auch mit einem Camin versehen seyn. Seine Aussicht muss gegen Norden seyn, so wie die Aussichten der Zimmer, wo man die anatomischen Präparate aufbewahret."