"Die Thier-Arzneyschule in Berlin". Stich von F. Calau, 1793 (aus: Denkmaltopographie Mitte, S. 72)

"Die Thier-Arzneyschule in Berlin". Stich von F. Calau, 1793 (aus: Denkmaltopographie Mitte, S. 72)

Erst zwei Jahre später, am 17. März 1789, berichtete Lindenau dem König vom erfolgreichen Abschluß der Kaufverhandlungen über den ehemaligen Reußschen Garten. Für 20.000 Courant habe man ihn vom jetzigen Besitzer Bertram gekauft, allerdings sei das Geld diesem bei der Übergabe in 14 Tagen in bar und in voller Summe auszuzahlen. Dieser Garten befand sich damals noch am nördlichen Rand der Stadt und zählte zu den bekanntesten und wohl auch schönsten Gartenanlagen des barocken Berlin. Hier hoffte man genügend Platz zu finden für die einzelnen nötigen Gebäude und auch für Weidekoppeln für die Tiere. Ganz offensichtlich wollte man diese neue Institution aber auch zu einem ästhetischen Aushängeschild Preußens machen, denn mit den Bauplänen wurde der ranghöchste Architekt des Staates betraut, Carl Gotthard Langhans (1732- 1808), seit 1788 Direktor des Oberhofbauamtes. Langhans hatte sich bereits in der preußischen Provinz Schlesien einen guten Namen als Architekt erworben, und stand seit 1775 in preußischen Diensten. Mit seiner Berufung nach Berlin, direkt nach dem Amtsantritt Friedrich Wilhelm II. begann für ihn eine aufgabenreiche Zeit. Davon geben heute noch das Brandenburger Tor, der Turmhelm der Marienkirche, die Mohrenkolonnaden, das Belvedere im Charlottenburger Schloßpark und diverse Bauten im Neuen Garten in Potsdam Zeugnis, sowie natürlich auch die Zootomie. Sie alle entstanden in der Zeit zwischen 1787 und 1791. Daneben war Langhans mit vielen Dekorationen für Innenräume beschäftigt, die bis auf den Saal im Schloß Bellevue nicht erhalten sind.

Langhans war auch dafür bekannt, daß er den neuen Geschmack des Landschaftsgartens pflegte. Er kannte die Anlagen in Wörlitz und einige in England aus eigener Anschauung, hatte in Dyhernfurt auch schon einen Park und die dazugehörigen kleineren Gebäude im neuen Stil ausgeführt. Bei der Anlage der Tierarzneischule kam es ebenfalls darauf an, die einzelnen Gebäude gemäß ihrer Aufgabe zu entwerfen und sie gefällig auf dem bereits gestalteten Grundstück zu verteilen.

Der Oberstallmeister und der Architekt erkundeten schon am 17. März 1789 das Gelände. Lindenau: "Ich habe heute mit den Geheimen Rath Langhanns sowohl sämtliche Grundstücke, als auch die Gebäude, besehn, und es hat sich gefunden, daß nicht allein das ganze Personale der Schule, sondern auch über 40 kranke Pferde, vor der Hand untergebracht werden können, auch hat der p. Langhanns auf Pflicht versichert, daß Ew. Majestät über 1000 Reichsthaler in denen ersten Jahren, bloß an Baugeldern ersparen. Unumgänglich nöthig sind aber dies Jahr noch zu bauen, das gantze anatomische Gebäude, nebst Zubehör, und die große Schmieden, nebst ein paar Ställe für tolle Pferde. Sollten diese Gebäude nicht diesen Sommer fertig werden, so könnte auch auf keinem Fall die ThierSchule selbst künftig Frühjahr 1790 ihren Anfang nehmen". Die zum Bau erforderlichen 20.000 Reichsthaler seien dem Geheimen Rat Langhans "zur Erbauung oben angeführter Gebäude zu überlassen".

Am gleichen Tag wies Friedrich Wilhelm II. die gewünschte Summe an.