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Etablierung

Ein Klinikinformationssystem (KIS) am Fachbereich

Autor: Dr. Manfred Sommerer

Etablierung

Bereits die Umstellung einer Patientenverwaltung vom urspründlich üblichen Hebekarten- bzw. Handkarteikartensystem auf eine computergestützte Abrechnungslösung ist nicht einfach, da die elektronische Datenverarbeitung grundsätzlich als erschwerendes und nicht vereinfachendes Mittel gesehen wird. Gerade Tierärzte, die Ihre Arbeitszeit mit der Heilung von Tieren verbringen wollen und häufig des Maschineschreibens kaum mächtig sind, sind hierzu nur schwer zu bewegen! Allein die Aussicht auf Mehreinnahmen, die sich dadurch erzielen lassen, dass die behandelnden Kollegen ihre Tätigkeit sofort und nicht nach dem Dienst "im stillen Kämmerlein verbuchen", Kunden zur Zahlung bzw. zumindest Teilzahlung wenn nicht in bar, so doch via EC-Karte "angeregt" werden und Mahnungen nicht über kostenintensive externe "Eintreiber" sondern aus dem eigenen System zeitnah generiert werden, bringt die Leitung dazu, den notwendigen Druck auf die Mitarbeiter aufzubauen eine elektronische Karteikarte zu führen. Tierärzte brauchen oftmals heute noch etwas in die Hand d.h. Systeme müssen in der Lage sein ein einer Karteikarte ähnliches Blatt auszudrucken.

Die Einführung eines Klinikinformationssystem - dessen 1. Säule die "Abrechnung" und 2. Säule die elektronische Krankenakte darstellt, wird auf noch größeren Widerstand seitens der beteiligten Mitarbeiter stoßen, da ein derartiges Projekt tiefgreifende Änderung der gewohnten Arbeitsabläufe und -arbeitsbedingungen mit sich bringt. Hier ist es Aufgabe der Projektleitung die Vorteile, die eine lückenlose Dokumentation tierärztlicher Tätigkeiten mittel- und langfristig einem Institut, einer Klinik resp. einem Fachbereich bringt, verständlich zu vermitteln, um die Akzeptanz der Mitarbeiter - i.d.R. ist die Sinnhaftigkeit einer elektronische Patientenakte und des elektronischer Arztbriefs unbestritten - zu erhöhen.

Folgende Punkte können dabei hilfreich sein:

  • die durch eine vollwertige elektronisch geführte Krankenakte mögliche Absicherung des Einzelnen aber auch der beteiligten Institution im Klagefall
  • die rechtlichen Relevanz des Umgangs mit veterinärmedizinischen Patientendaten - Dokumentationspflicht und Datenschutz
  • das Erkennen nicht ausgeschöpfter finanzieller wie inhaltlicher Potentiale im Bereich der Arbeitsablaufverbesserung
  • die spätere Möglichkeit der einfachen Übergabe anonymisierter Daten (Berichte und Medienfiles) zu Lehrzwecken (Vorlesungen und Lehrplattformen)
  • die Auswertbarkeit für wissenschaftliche Studien, Veröffentlichungen oder zur Prüfung der Relevanz eines Dissertationsthemas
  • zur Vertiefung der propädeutischen Lehre

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Da die Akzeptanz eines Klinikinformationssystems aufgrund der vielschichtigen Beteiligung unterschiedlichster Komponenten von verschiedensten Faktoren abhängig ist - Netzwerkverfügbarkeit, Bedienfreundlichkeit, Arbeitsgeschwindigkeit, Bildqualtät, ordnungsgemäße Funktion von Labor-/Diagnosesystemen u.v.m. - muss auch bei bestmöglicher Mitführung mit unzufriedenen Nutzern gerechnet werden. Hier muss die zentrale IT immer bemüht sein, in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Drittbeteiligten schnell und unbürokratisch Lösungen zu suchen, zu finden und auch umzusetzen, damit die betroffenen Mitarbeiter ihrer Arbeit auch PC-gestützt möglichst schnell wieder nachgehen können.