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„Auch Dinosaurier wurden schon von Zecken geplagt – das fasziniert mich!“

Lehrpreisträger Ard Nijhof

Lehrpreisträger Ard Nijhof
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

News vom 13.07.2026

Im Rahmen der Promotionsfeier erhielten in diesem Jahr Dr. Ting-Ting Li in der Kategorie „Vorlesungen“ für „Fleischhygiene II“ und Prof. Ard Nijhof, PhD in der Kategorie „Übungen und Seminare“ für „Parasitologische Übungen“ die diesjährigen Lehrpreise. Diese basieren auf den Lehrevaluationen durch Studierende und sind mit einer Prämie von 500 Euro von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin e.V. verbunden. Herzlichen Glückwunsch! 

Prof. Ard Nijhof leitet die AG Tropenveterinärmedizin am Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin. Im Interview blickt er auf die eigene Studienzeit und seine ersten Vorlesungen zurück und erläutert, was ihm an seiner Lehre und dem Zusammenwirken mit Studierenden besonders am Herzen liegt.

Prof. Nijhof, für welche Veranstaltung erhielten Sie den Lehrpreis?

Für die parasitologischen Übungen im 6. Semester. Auf die Parasitologie-Vorlesungen im Wintersemester folgen im Sommersemester drauf die praktischen Übungen. Ich unterrichte in beiden Veranstaltungen die veterinärmedizinische Arachno-Entomologie, also die parasitischen Spinnentiere wie Zecken und Milben sowie parasitische oder blutsaugende Insekten.

Welche Veranstaltungen unterrichten Sie darüber hinaus?

Ich biete zudem einige Wahlpflichtveranstaltungen an, unter anderem „Tropische Parasitosen“, „Heimtierparasitosen“ und eine Blockveranstaltung „Ektoparasiten als Krankheitsüberträger in den Tropen und Subtropen“. Hierzu lade ich meist auch Gastreferent*innen ein. Darüber hinaus lehre ich an der Charité und an der Universität Utrecht, meiner Alma Mater, in Masterstudiengängen die Lehrveranstaltungen „Tropical Medical Entomology“ beziehungsweise „Tropical Veterinary Entomology“.

Seit wann sind Sie am Fachbereich? Seit wann unterrichten Sie?

Im April 2011 war mein erster Tag hier – schon 15 Jahre her! In die Lehre sollte ich eigentlich langsam einsteigen. Letztendlich war ich aber gerade mal vier Wochen da, als Prof. Eberhard Schein unerwartet verstarb. Zur gleichen Zeit fiel mein anderer Betreuer, Prof. Peter-Henning Clausen, nach einem Unfall mehrere Monate aus, so dass ich die Lehre dann doch recht schnell übernehmen musste. Meine erste Lehrveranstaltung war damals schon „Tropische Parasitosen“.

Das war eine Herausforderung für mich. Ich hatte nur zwei Jahre Deutsch in der Schule gelernt. Daher hatte ich hier zunächst auf Englisch unterrichtet. Jedoch habe ich schnell gemerkt, dass das nicht gut ankam: viele fragende Blicke, kaum Nachfragen zu den Inhalten. Nach vier Monaten habe ich dann alles auf Deutsch umgestellt.

Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht in der Lehre tätig sind?

Hauptsächlich forsche ich zu Zecken und zu Krankheiten, die von ihnen übertragen werden. Hier haben wir zurzeit drei Linien: Die erste Linie erforscht Theileria-Parasiten. Theilerien sind Einzeller, die die Fähigkeit haben, ihre Wirtszellen, also weiße Blutkörperchen, zu transformieren.

Sie machen ihre Wirtszellen unsterblich, regen sie zu einer unkontrollierten Vermehrung an und fördern ihre Ausbreitung im Körper, wodurch eine tumorartige Krankheit entsteht. Wir schauen, wie genau diese Parasiten das machen und welche Rolle bestimmte Proteine in diesem Prozess spielen.

Der zweite Forschungsschwerpunkt ist die künstliche Fütterung von Zecken. Wir haben Laborzuchten verschiedener europäischer und afrikanischer Zeckenarten und untersuchen, inwieweit sie sich mithilfe künstlicher Fütterungssysteme als Alternative zum Einsatz von Versuchstieren ernähren können.

Das dritte Themenfeld bildet die Vektorkompetenz von Zecken ab. Wir gehen der Frage nach: Was trägt dazu bei, dass bestimmte Zeckenarten bestimmte Pathogene übertragen können? Welche molekularen Mechanismen spielen dabei eine Rolle? Letztendlich mit dem Ziel, zu erfahren, wie wir eingreifen und blockieren können, dass Pathogene übertragen werden.

Was denken Sie, machen Sie in Ihren Veranstaltungen besonders gut – also was ist es, was bei den Studierenden besonders gut ankommt?

Ich denke, ich habe einerseits den Vorteil, dass das ein sehr dankbares Thema ist, was ich versuche zu vermitteln: viele Ektoparasiten lassen sich makroskopisch erkennen und wecken durch ihren außergewöhnlichen Lebensweisen eine besondere Aufmerksamkeit.

Darüber hinaus gibt es viel gutes Video- und Bildmaterial, das ich zeige, um die Veranstaltungen abwechslungsreich zu gestalten. Außerdem versuche ich auch immer lebende Parasiten mitzubringen. Wir haben Zecken und Flöhe aus unseren eigenen Laborzuchten und vom Umweltbundesamt bekommen wir beispielsweise Bettwanzen, Fliegen und Stechmücken, die wir zeigen können.

Ansonsten baue ich auch immer zur Wiederholung ein kurzes Quiz ein, um die Inhalte von vorherigen Veranstaltungen noch mal in Erinnerung zu rufen und abzufragen. Ich versuche zudem immer klar zu kommunizieren, so einfach wie möglich.

Was motiviert Sie im Hinblick auf die Lehre?

Den Studierenden praxisnahes Wissen zu vermitteln, motiviert mich. Ich freue mich besonders, wenn sie während oder nach den Veranstaltungen Fragen stellen, und wir gemeinsam über die Themen diskutieren können.

Was möchten Sie Ihren Studierenden gern über die Lehrinhalte hinaus mitgeben? 

Einerseits möchte ich das wissenschaftliche Denken vermitteln. Wenn es zum Beispiel um Produkte oder Ektoparasitika gegen Zecken oder Flöhe geht, sollen die Studierenden verstehen und hinterfragen, wie die Entwicklung aussieht, welche Untersuchungen dafür notwendig sind und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bevor die Mittel zugelassen werden können.

Andererseits finde ich es wichtig, wenn die Studierenden auch mal über den Tellerrand schauen, sowohl über das eigene Fachgebiet hinaus als auch in andere Länder. Es ist schön, ihnen Einblicke zu vermitteln, wie die Veterinärmedizin andernorts gelernt und praktiziert wird. Ich bin zum Beispiel für die Organisation des jährlichen Studierendenaustauschs mit unserer Partneruniversität, der École nationale vétérinaire d'Alfort in Paris, verantwortlich.

Darüber hinaus hat das Institut, insbesondere unter der Federführung meines Vorgängers Prof. Peter-Henning Clausen, auch Austauschprojekte mit Hochschulen in Kenia und der Mongolei organisiert. Leider sind die Finanzierungsmöglichkeiten für solche Austauschprogramme in den vergangenen Jahren etwas zurückgegangen, was ihre Organisation zunehmend erschwert. Ich hoffe jedoch, dass wir diese Programme künftig wieder aufnehmen können.

Warum ist Ihr (Vorlesungs-)Thema Ihr Thema? Was fasziniert Sie besonders daran?

Ich bin da ein bisschen hineingewachsen. Ich habe Tiermedizin in den Niederlanden studiert und damals musste man nach vier Jahren Theorie ein mehrmonatiges Forschungspraktikum absolvieren, bevor das klinische Praktikum begann. Ich hatte das große Glück, damals in diesem Rahmen sechs Monate in Südafrika an der Universität von Pretoria arbeiten zu dürfen.

Dort habe ich zum ersten Mal die Zeckenproblematik, die in den Tropen noch sehr viel größer ist als hier, kennengelernt. Mich fasziniert, dass Zecken schon seit Millionen Jahren bestehen. Die ältesten bekannten Zeckenfossilien sind rund 180 Millionen Jahren alt und bereits Dinosaurier wurden schon von Zecken geplagt.

Dass die Zecken sich im Laufe der Zeit erhalten und sich weiter spezialisiert haben, begeistert mich. Es sind einfach faszinierende Wesen, wie es ihnen gelingt, so lange, Tage bis Wochen, auf einem Wirt Blut zu saugen, dabei der Immunantwort des Wirtes zu entgehen und gleichzeitig Krankheitserreger zu übertragen.

Denken Sie gern an Ihre eigene Studienzeit zurück? An was genau?

 Ja, an vieles. Ein Höhepunkt war für mich der Aufenthalt in Südafrika. Das war für mich das erste Mal überhaupt, dass ich außerhalb Europas unterwegs war. Es hat mich sehr beeindruckt, wie herzlich ich dort aufgenommen wurde und welche Möglichkeiten ich in der Forschung erhielt.

Mein Professor und späterer Doktorvater, Prof. Frans Jongejan, hat mir von Anfang an großes Vertrauen entgegengebracht und sehr viel Freiheit gegeben. Das habe ich sehr dankbar angenommen und versucht, dieses Vertrauen durch mein Engagement zurückzugeben. So konnte ich bereits nach diesem ersten Aufenthalt in Südafrika schon zwei Publikationen veröffentlichen.

Das war eine tolle Zeit, auch mit den Studierenden vor Ort und weiteren niederländischen Studierenden, die dort zeitgleich ihr Forschungspraktikum absolvierten.

Welche Eigenschaften haben Sie als Student an Ihren Professor*innen und Lehrenden geschätzt? Denken Sie manchmal daran, wenn Sie lehren?

Ich habe es immer geschätzt, wenn man als Student ernst genommen wurde und sich mit den Dozierenden austauschen konnte. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Lehrende, die sich zeit für ihre Studierende genommen und stets offen für den Austausch waren. Das hat mich geprägt, und genau das versuche ich heute auch in meiner eigenen Lehre umzusetzen.


Dass all das, was Prof. Nijhof sich bezüglich seiner Lehrveranstaltungen vorgenommen hat, aufgeht und von den Studierenden gesehen und wertgeschätzt wird, spiegelt sich in den sehr guten Lehrevaluationen wider. In seiner Laudatio bei der Preisübergabe betonte Prof. Thomas Alter, Prodekan für Lehre: „Prof. Ard Nijhof überzeugte in den parasitologischen Übungen durch eine außerordentlich engagierte, strukturierte und studierendenorientierte Lehrtätigkeit.“ Er ergänzte: „Ihm gelang es, durch seine motivierende und engagierte Art eine ausgesprochen angenehme Lernatmosphäre zu schaffen. Die Studierenden hoben seine hohe Erreichbarkeit, seine Hilfsbereitschaft sowie den wertschätzenden Umgang hervor. Besonders positiv wurden die intensive Betreuung während der praktischen Übungen, die gelungene Interaktion mit den Studierenden sowie seine sichtbare Begeisterung für das Fach wahrgenommen, die sich unmittelbar auf die Motivation und das Interesse der Lernenden überträgt.“

Hintergrund Lehrpreis: Seit 2018 verleiht die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin e.V. gemeinsam mit dem Dekanat des Fachbereiches Veterinärmedizin und der Fachschaftsinitiative Veterinärmedizin e.V. jährlich den Preis für exzellente Lehre. Ausgezeichnet werden Lehrveranstaltungen oder Lehrende, welche in didaktisch überzeugender Weise den Erkenntnisgewinn der Studierenden fördern. Der Lehrpreis soll hervorragende und beispielhafte Leistungen in der Lehre würdigen, die die besondere Bedeutung der Hochschullehre deutlich machen, die sich durch überdurchschnittliches Engagement auszeichnen sowie die Weiterentwicklung der Lehre fördern. 

Redaktioneller Hinweis: Dr. Ting-Ting Li, die ebenfalls mit einem Lehrpreis ausgezeichnet wurde, ist inzwischen nicht mehr am Fachbereich tätig und stand daher für ein Interview im Rahmen dieses Beitrags nicht zur Verfügung.

Das Interview führte Friederike Grasse.   

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