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Kleine Tiere, große Fragen

Die 4. Düppeler Infektions- und Resistenztage widmen sich aktuellen Fragen rund um Infektionskrankheiten und Zoonosen bei als Heimtieren gehaltenen Kleinsäugern.

Die 4. Düppeler Infektions- und Resistenztage widmen sich aktuellen Fragen rund um Infektionskrankheiten und Zoonosen bei als Heimtieren gehaltenen Kleinsäugern.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher 

Professor Marc Drillich ist Forschungsdekan am Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin.

Professor Marc Drillich ist Forschungsdekan am Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher 

News vom 17.09.2026

Die 4. „Düppeler Infektions- und Resistenztage“ widmen sich aktuellen Fragen rund um Infektionskrankheiten und Zoonosen bei Kleintieren, die als Heimtiere gehalten werden. Vor der Tagung am 25. September erklärt Forschungsdekan Professor Marc Drillich im Interview die Idee hinter der Veranstaltungsreihe des Tiermedizinischen Zentrums für Resistenzforschung (TZR) und schildert, wie Forschung und tierärztliche Praxis voneinander profitieren.

Herr Professor Drillich, die Düppeler Infektions- und Resistenztage finden in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt. Welche Idee steckt hinter der Veranstaltungsreihe?

Das TZR forscht nicht nur zu Resistenzen, sondern trägt seine Ergebnisse auch nach außen. Einerseits wollen wir einer breiteren Öffentlichkeit zeigen, woran wir arbeiten. Andererseits möchten wir mit unserer Forschung gezielt auch Tierärztinnen und Tierärzte in der Praxis erreichen. So entstand die Idee, Themen der Infektionsmedizin gebündelt aufzugreifen und den Schwerpunkt auf die praktische Anwendung zu legen. Die Themen wechseln zwischen verschiedenen Tierarten. In diesem Jahr stehen Kleinsäuger im Mittelpunkt – ein Bereich, der in Fortbildungen oft eine Nische bleibt.

Was ist der Vorteil davon, Resistenzforschung in einem Zentrum wie dem TZR zu bündeln?

Ein Vorteil liegt in der gemeinsamen Nutzung der Infrastruktur und Expertise. Im TZR stehen hoch spezialisierte Forschungsgeräte, die verschiedenen Arbeitsgruppen gemeinsam nutzen. Mindestens ebenso wichtig ist der persönliche Austausch. Im Zentrum begegnen sich Menschen, die sonst nur in ihren eigenen Instituten arbeiten würden. Der direkte Kontakt fördert den Informationsfluss. Die moderne technische Ausstattung im TZR verbessert zudem die Qualität der Forschung.

Die diesjährigen Infektions- und Resistenztage beschäftigen sich mit Kleinsäugern. Warum lohnt es sich, diese Tiere wissenschaftlich besonders in den Blick zu nehmen?

Kleinsäuger unterscheiden sich in vielen Punkten von Hund und Katze und bringen eigene Erkrankungen und Besonderheiten mit. Dafür braucht es spezifische Forschung. Gleichzeitig wächst die Vielfalt der Tiere, mit denen Tierärztinnen und Tierärzte heute arbeiten – neben klassischen Heimtieren auch Reptilien oder Ziervögel. Die Anforderungen an die Tiermedizin steigen, und spezialisierte Praxen entstehen. Doch auch in normalen Kleintierpraxen kommen diese Tiere als Patienten und wollen versorgt werden.

Ein Thema der Tagung ist der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika und Antiparasitika. Was kann die Resistenzforschung hier zur Praxis beitragen?

Ein wichtiger Grundsatz gegen Antibiotikaresistenzen lautet: Antibiotika gezielt und sparsam einsetzen. Wir müssen prüfen, wo sie wirklich nötig sind und wo es Alternativen gibt. Wichtig bleibt auch, das passende Antibiotikum für die jeweilige Erkrankung zu wählen. Dieses Wissen zu erarbeiten und bereitzustellen, gehört auch zu den Aufgaben einer Universität.

Die Düppeler Infektions- und Resistenztage sollen Wissenschaft und tierärztliche Praxis zusammenbringen. Ist dieser Wissenstransfer eine Einbahnstraße?

Nein, auf keinen Fall. Forschende vertiefen sich oft in ein Spezialgebiet. Praktikerinnen und Praktiker wiederum erleben in ihrem Alltag viele unterschiedliche Fälle und bringen andere Erfahrungen ein, die für die Forschenden wiederum wertvoll sind. Der Austausch nützt beiden Seiten. Gerade bei Präsenzveranstaltungen bieten Gespräche abseits der Vorträge großen Gewinn – sowohl zwischen den Teilnehmenden als auch zwischen ihnen und den Forschenden.

Welche Themen werden die Infektions- und Resistenzforschung in den kommenden Jahren besonders beschäftigen?

Das One-Health-Thema wird weiter an Bedeutung gewinnen, weil wir immer deutlicher sehen, wie eng verschiedene Bereiche zusammenhängen. Dazu zählt auch der Einfluss von Klimawandel und Umwelt auf die Gesundheit auch unserer Haus- und Heimtiere. Wir untersuchen zum Beispiel, wie Trocken-, Dürre- und Hitzeperioden Tiere beeinflussen. Das wird vermutlich auch in der Heimtierhaltung wichtiger. Gleichzeitig bleibt das Thema Resistenzen aktuell – nicht nur beim Einsatz von Antibiotika, sondern auch bei Antiparasitika und mit Blick auf neue Resistenzmechanismen.

Häufig wird zwischen klinisch Tätigen und Forschenden unterschieden. Wie beurteilen Sie diese Trennung?

Ich halte diese Unterscheidung an einer Universität für unsinnig. Natürlich forschen am Fachbereich auch Klinikerinnen und Kliniker, was ein wichtiger Teil der Wissenschaft ist. Umgekehrt haben viele Forschende im Labor einen medizinischen oder klinischen Hintergrund. Gerade die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven ist für die Forschung am Fachbereich entscheidend. Im TZR gibt es nicht nur Labore zum Beispiel für Virologie oder Parasitologie, sondern auch für klinische Forschung. Diese Verbindung ist uns wichtig.

Die Fragen stellte Melanie Hansen. 

Die 4. Düppeler Infektions- und Resistenztage finden am 25. September 2026 statt und widmen sich aktuellen Fragen rund um Infektionskrankheiten und Zoonosen bei als Heimtieren gehaltenen Kleinsäugern.
Im Fokus stehen Diagnostik, der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika und Antiparasitika sowie das Management zoonotischer Ausbrüche – praxisnah vermittelt anhand konkreter Fallbeispiele.


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