Geschichte der GURLTschen Sammlung

Schon seit Gründung der „Königlichen Tierarzneischule zu Berlin“ im Jahre 1790 gab es Bestrebungen, eine „Hufeisen-, Skelett- und Präparatesammlung“ zu begründen (Berg, 1990). In dem im gleichen Jahr erbauten „Haus für die Zootomie“, dem Langhansbau in Berlin-Mitte, wurden bereits Räume für eine solche Sammlung zur Verfügung gestellt.

Zunächst betreuten Gurlts Vorgänger Prof. Sick (1760-1829) und Prof. Reckleben (1766-1851) die anatomische Sammlung, die im Jahre 1817 aus 561 Präparaten bestand.

Mit seinem Eintritt in das Institut für Veterinär-Anatomie übernahm Gurlt diese Sammlung und erweiterte sie im Laufe seines langjährigen Berufslebens immer mehr. Dabei legte er den Schwerpunkt auf die Sammlung von Fehlbildungen. Im Jahr 1841 umfasste die Sammlung 3358 Präparate.

Jedes einzelne Präparat wurde von Gurlt mit einer kurzen Beschreibung versehen und katalogisiert, die besonders interessanten beschrieb er ausführlich in seinem „Lehrbuch der pathologischen Anatomie“, das 1832 erschien. Einige der Präparate veröffentlichte Gurlt auch in dem seit 1835 erscheinenden „Magazin für die gesamte Thierheilkunde“, der ersten Tierärztezeitschrift in Deutschland, welches Gurlt zusammen mit Prof. Carl Heinrich Hertwig herausgab. Im Jahr 1838 erschien in dieser Zeitschrift der erste „Katalog des zootomischen Museums der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin“. Dort wurden sämtliche Präparate der anatomischen Sammlung numeriert und kurz beschrieben. In unregelmäßiger Reihenfolge erschienen dann bis zum Jahre 1870 Erweiterungen zu diesem Katalog. Die Sammlung umfaßte in diesem Jahr 6418 Präparate. Es handelte sich dabei teils um sogenannte „Trockenpräparate“, überwiegend Skelette oder Teile davon, zum anderen Teil um in Alkohol konservierte „Feuchtpräparate“. Da Gurlt sich in diesem Jahr in den Ruhestand versetzen ließ, wurde der Katalog nicht mehr weiter geführt.

Unter Gurlts Nachfolger Carl Friedrich Müller (1825-1901) wurde die Sammlung aus Platzmangel verkleinert. Ein wesentlicher Teil der Fehlbildungssammlung, die nun den Namen ihres Förderers trägt, wurde in die Pathologie verlagert, wo sie dann im Jahre 1945 nach einem Luftangriff einem Brand zum Opfer fiel.

Der erhalten gebliebene Teil der GURLTschen Sammlung besteht aus 143 Skeletten und 105 in Alkohol konservierten Präparaten. Dieser ist heute ein Bestandteil der anatomischen Sammlung unseres Institutes und ist der Allgemeinheit zugänglich. Wir freuen uns, Ihnen diese Sammlung jetzt auch im Internet präsentieren zu können.

Hier werden, teilweise in mehrfacher Ansicht, 115 Trocken- und 76 Feuchtpräparate in detailgenauen Fotografien vorgestellt. Die erläuternden Kommentare sollen zum besseren Verständnis der Präparate dienen und die zu Grunde liegende embryonale Fehlentwicklung verdeutlichen. Wo immer möglich wurden Ernst Friedrich Gurlts Bemerkungen aus dem erhalten gebliebenen Originalkatalog angeführt. Darüber hinaus soll unsere virtuelle Ausstellung aber auch anregen zu einem „Blick über den Zaun“, zu einer vergleichenden Betrachtung der Embryologie bei Mensch und Tier.

Hier finden Sie Condé, das prominenteste Exponat der GURLTschen Sammlung