Springe direkt zu Inhalt

Nachruf auf Herrn Prof. Dr. habil. Klaus-Dieter Budras

Prof. Dr. Klaus-Dieter Budras, 2011.  Bildquelle: Institut für Veterinär-Anatomie, FU Berlin

Prof. Dr. Klaus-Dieter Budras, 2011. Bildquelle: Institut für Veterinär-Anatomie, FU Berlin

Am 12.6.2020 verstarb unser hochgeschätzter Kollege und ehemaliger Direktor der Berliner Veterinär-Anatomie Prof. Dr. habil. Klaus-Dieter Budras unerwartet und nur wenige Tage nach seinem 79. Geburtstag in Berlin.

Klaus-Dieter Budras wurde am 04.06.1941 geboren und schloss sein Studium der Tiermedizin in Berlin ab. Er wurde 1967 promoviert und arbeitete anschließend als Assistent am Berliner Institut für Veterinär-Anatomie.

Schon kurz nach seiner Habilitation im Jahre 1971 zum Thema „Das Epoophoron der Henne und die Transformation seiner Epithelzellen in Interrenal- und Interstitialzellen“ wurde er Professor (C2); 1983 nahm er als Nachfolger von Prof. Fritz Preuss den Ruf auf den Lehrstuhl für Veterinär-Anatomie, - Histologie und -Embryologie an. 1990 erhielt er einen Ruf an die Veterinärmedizinische Universität Wien, den er ablehnte.

Klaus-Dieter Budras ist national und international als Lehrbuchautor von Atlanten der Veterinär-Anatomie bekannt. Er entwickelte ein neues, didaktisch brillantes Konzept der topographischen Anatomie, welches auch praktisch-klinische Aspekte integriert und das er in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen unermüdlich weiter auf- und ausbaute. Seine Atlanten des Hundes (seit 1983), des Pferdes (seit 1991) und des Rindes (seit 2002) sind mittlerweile in vielfachen Auflagen sowie in englischer, spanischer und japanischer Sprache erschienen. Nicht zuletzt durch seine Atlanten, die von einem Autorenteam weitergeführt werden, wird Prof. Budras stets unvergessen bleiben.  

Seine Forschung widmete er u.a. dem Lymphsystem der Vögel sowie insbesondere dem Zehenendorgan des Pferdes, was sich durch zahlreiche nationale und internationale Publikationen und durch seine fachliche Expertise zum Zehenendorgan auszeichnete. In diesem Rahmen begleitete er auch als geschätzter Betreuer mit großem Erfolg zahlreiche Doktoranden und Habilitanden und prägte ihren wissenschaftlichen Werdegang.

Die Pflege der verschiedenen Präparatesammlungen war ein großes Anliegen von Prof. Budras. Das Institut für Veterinär-Anatomie verdankt ihm eine Vielzahl von besonderen Präparaten, wie zum Beispiel die vergleichend-anatomische Wachsmodell-Sammlung. Diese detailgetreue und didaktisch wertvolle Sammlung, welche u.a. unter seiner Leitung ab den siebziger Jahren am Institut erstellt wurde, besteht aus 48 einzigartigen topographisch-anatomischen Präparaten, die auch als Vorlage für seine Atlanten dienten. Unter Prof. Budras wurde die vergleichende Lehrsammlung der Skelette sowie der Trocken- und Feuchtpräparate stetig erweitert und die Technik der Plastination nach Gunther von Hagens am Institut eingeführt. Der unschätzbare Nachlass seines anatomischen Lebenswerkes, der sich neben den „Budras-Atlanten“ in den vielfältigen Sammlungen am Institut widerspiegelt, stellt ein bedeutsames Spektrum an diversen Präparationstechniken dar, welches ganz in seinem Sinne auch weiterhin gewahrt und gepflegt werden wird. Überdies wird dieser Nachlass, wie auch in der Vergangenheit, zukünftige Generationen angehender Tierärztinnen und Tierärzte beim Studium der Anatomie begleiten.

Ein wichtiges und herausragendes Ereignis in seinem arbeitsreichen Berufsleben, das er öfters im Gespräch erwähnte, war die Zeit nach der Wiedervereinigung. Gemeinsam mit seinen Kollegen und Kolleginnen aus Berlin-Ost und -West realisierte er unter großem persönlichen Einsatz erfolgreich die Fusion beider Berliner veterinäranatomischen Institute.

Klaus-Dieter Budras war bei seinen Kolleginnen und Kollegen, bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie bei den Studierenden in besonderem Maße respektiert und beliebt. Mit seiner warmherzigen und gelassenen Art, die Anatomie zu lehren, nahm er den Studierenden die Angst vor diesem schwierigen Fach. Die Studierenden nannten ihn deshalb insgeheim liebevoll "Papa Budras", was als großes Kompliment zu werten ist.

Mit Erreichen der Altersgrenze schied Klaus-Dieter Budras 2006 aus dem Hochschuldienst aus. Vor einem knappen Jahr verstarb nach fast fünfzigjähriger Ehe seine Frau, was für ihn nach eigener Aussage ein schwerer Schicksalsschlag war.

 

Die Veterinärmedizin verliert mit Prof. Klaus-Dieter Budras einen exzellenten akademischen Lehrer und herausragenden Veterinäranatomen, der wegen seiner hohen fachlichen Kompetenz und seiner umsichtigen Art, aber auch wegen seinem typischen Humor allen unvergesslich bleiben wird.

 

Unsere Gedanken sind bei seinen Töchtern Corinna und Julia und deren Familien.

 

Prof. Dr. Johanna Plendl
Prof. Dr. Mahtab Bahramsoltani
Janet Weigner, Präparatorin
Institut für Veterinär-Anatomie, Fachbereich Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin