Entnahme von Probenmaterial

Grundsätzliche Hinweise

Auf jeder gesunden Haut und Schleimhaut leben Bakterien. Die Besiedelung mit Mikroorganismen beginnt schon kurz nach der Geburt. Diese physiologische Flora macht nicht krank, sondern  schützt den Organismus vor der Besiedlung mit pathogenen Keimen (z.B. Säureschutzmantel der Haut, Darmflora). Bei geschwächtem Immunsystem oder verletzter Haut (Risse) bzw. Schleimhaut ist dieses Gleichgewicht gestört. Dann können Bakterien die natürlichen Barrieren überwinden und eine lokale oder systemische Erkrankung auslösen.

Häufig sind Bestandteile der natürlichen mikrobiellen Flora in Wundabstrichen, Hautgeschabseln, Haaren u.a. Probematerialien zu finden.

Auch fakultativ pathogene Keime gehören zu den normalen Besiedlern von Haut- und Schleimhäuten, hier entscheidet im Einzelfall das klinische Bild und die Menge der isolierten Keime über die Bedeutung des Befundes für das einzelne Tier.


Hautgeschabsel

Oberflächliche Hautgeschabsel sollten mit einem sterilen Skalpell  von den veränderten Hautbezirken angefertigt werden. Das Untersuchungsgut sollte anschließend kontaminationsfrei in ein steriles Behältnis  überführt werden.


Hautgeschabsel

Haare / Federn

Haare und Federn sollten mit einer sauberen Pinzette in ein steriles Transportgefäß (keine Briefumschläge, benutzte Plastiktüten etc.) verbracht werden.

Steriles Transportgefäß

Mit Haaren und Federn können pathogen Bakterien und Pilze nachgewiesen werden.


Nasen-  Maulhöhlen- oder Rachenabstrich

Mit sterilem Tupfer Material aus dem Entzündungsbereich entnehmen. Berührung mit der umgebenden Schleimhaut vermeiden.

                

Steriler Abstrich

Bindehautabstrich

Bindehautabstriche werden mittels eines sterilen Tupfertransportsystems gewonnen, evtl. mit feuchtem Tupfer (sterile NaCl-Lösung), um die Schleimhaut zu schonen.

Tupfertransportsystem

Gewebe / Organe

Gewebe und Organe sollten möglichst sauber, aseptisch und schonend gewonnen werden, da eine starke Kontamination mit Umgebungskeimen (z.B. Stallboden, andere Organe / - Inhalte) zu einem unspezifischen Overgrow führt, der die Diagnosestellung erschwert bzw. verhindert. Gewebe und Organe sind steril zu verpacken und auslaufsicher zu versenden. Eine genaue Kennzeichnung der einzelnen Organe ist erforderlich. Pathologische Befunde der Sektion sind auf dem Begleitschreiben zu vermerken.


Wundabstriche

Oberflächliche Wundabstriche werden mit einem sterilen Tupfertransportsystem vom Wundrand gewonnen. Es kann bei größeren Wunden im Einzelfall erforderlich sein, einen weiteren Abstrich aus der Tiefe der Wunde anzufertigen, um gezielt Anaerobier nachzuweisen.


Blutproben

Indikationen zum Anlegen einer Blutkultur sind der Sepsisverdacht, Fieber unklarer Genese, schwere Organmanifestationen (Meningitis- zusätzlich zur Einsendung von Lumballiquor, Pyometra, Pneumonie, Endokarditis, Pyelonephritis u.a.) sowie der Verdacht auf zyklische Infektionskrankheiten (z.B.  Brucellose u.a.)

Blutkulturröhrchen

Für eine Blutkultur werden ca. 5-10 ml Blut benötigt. Spezielle Blutkulturflaschen (aerob/anaerob)  dienen zur Anzucht von aeroben und anaeroben Bakterien und Sprosspilzen.
Für die Entnahme erfolgt zunächst eine Desinfektion der Hände des punktierenden Arztes, der Punktionsstelle und des Gummistopfens der Blutkulturflaschen mit Alkohol. Anschließend kann ein Blutgefäß punktiert werden.
Die Blutmenge auf beide Blutkulturflaschen verteilen. Man sollte mit der anaeroben Flasche beginnen, um ein Belüften der anaeroben Flasche mit Luft aus der Spritze zu verhindern.
Der beste Entnahmezeitpunkt ist während des Fieberanstiegs.
Die Entnahme sollte möglichst vor der antibakteriellen Chemotherapie, sonst unmittelbar vor der nächsten Antibiotika-Applikation erfolgen.
Entnahmetag und Uhrzeit sowie Antibiotikagabe sind im entsprechenden Feld des Begleitscheines anzugeben.
Beimpfte Blutkulturen sollten unverzüglich ins Bakteriologische Labor transportiert werden. Sollte dies in Ausnahmefällen nicht möglich sein, so muss die sofortige Bebrütung bei 30-37°C im Brutschrank und der Transport ins Labor am nächsten Tag gewährleistet sein.
Bei mangelhafter Desinfektion können Keime der Hautflora angezüchtet werden (meist koagulasenegative Staphylokokken). Die Beurteilung des Befundes (ursächlicher Erreger, fakultativ pathogene Keime oder Kontamination) wird so erschwert.


Milchproben

Eine detaillierte Anleitung zur korrekten Gewinnung von Milchproben finden Sie unter

http://www.vetmed.ucdavis.edu/vetext/INF-DA/INF-DA_SAMPLING.HTML


Synovia / Liquor / Punktate

Nach sorgfältiger Hautdesinfektion Punktion und Aspiration von 1 bis 5 ml Flüssigkeit in eine sterile Spritze. Anschließend Flüssigkeiten  in ein steriles Gefäß überführen.

Es besteht die Möglichkeit aus diesen Körperflüssigkeiten mittels einer eubakteriellen PCR (Eubakterielle PCR) bakterielle DNS (nicht den lebensfähigen Keim!) nachzuweisen. Bei konkretem Verdacht kann diese Methode, insbesondere bei ZNS-Störungen, hilfreiche Ergebnisse liefern.


Spülprobe (z.B. Trachealspülprobe)

Spülproben z.B. aus Endoskopen sollten mittels eines sterilen Transportsystems versendet werden, dabei sollten die ersten Tropfen verworfen werden.


Harnprobe

Transport von Harnproben

Kotprobe

Entweder in einem Kottransportröhrchen ca. 10g Faeces versenden, oder bei geringen Mengen einen Kottupfer (Steriles Transportsystem) benutzen.

Kottransportröhrchen