Anaerobe Untersuchung

Anaerobe Untersuchung

Anaerobe Bakterien können Gangrän, Peritonitis oder Sepsis verursachen. Häufig sind anaerobe Bakterien auch bei Erkrankungen von Huf und Klaue oder bei Enteritidien zu finden. Häufig liegen aerob-anaerobe Misch-infektionen vor. Anaerobier wachsen häufig langsam und sind z.T. schwer anzüchtbar. So benötigt die Anaerobierdiagnostik (Ausnahme: Clostridium perfringens) mit Primär- und Folgekulturen häufig mehrere Tage. 

Zum Schutz der Probe vor Sauerstoffeinfluss und Austrocknung empfiehlt sich die Verwendung von sterilen, luftdicht verschließbaren Versandmaterialien, bei Abstrichen Einsendung in einem Transportmedium. Die Lagerung erfolgt am besten bei Raumtemperatur und die Proben sollten so schnell wie möglich ins Untersuchungslabor gelangen.

Wichtige Anaerobier

Clostridium perfringens ist die häufigste Ursache für den Gasbrand neben den selteneren Erregern wie C. novyi, C. septicum, C. histolyticum u. a. Häufig wird C. perfringens auch bei Enteritiden diagnostiziert. Penicillin G und Aminopenicilline sind hier die Mittel der Wahl. Clostridium tetani-Infektionen werden durch aktive und passive Immunisierung und Clostridium botulinum-Vergiftungen mit der Gabe von Antitoxin behandelt. Antibiotika sind hier nicht indiziert.

Actinomyces (Actinomyces israelii u.a.) gehören zur Normalflora der Maulhöhle (Zahnbelag), sie verursachen als aerob-anaerobe Mischinfektion die Aktinomykose, Mittel der Wahl: Penicillin G und Aminopenicilline.

Bacteroides fragilis und Spezies der B.-fragilis-Gruppe sind Angehörige der physiologischen Darmflora. Sie verursachen intraabdominale Eiterungen,  Peritonitis, Mischinfektionen des Urogenitaltraktes, Hirnabszesse sowie Wundinfektionen und Septikämien. Mittel der Wahl dieser meist beta-Lactamase-positiven Keime sind Clindamycin und Metronidazol.

Prevotella finden sich natürlicherweise im Urogenitaltrakt und Oropharynx. Hier gelten sie als fakultativ pathogen und können im Abdomen und Atemtrakt eitrige Entzündungen hervorrufen. Metronidazol und Clindamycin werden als erste Antibiotika empfohlen.

Porphyromonas kommt ebenfalls im Urogenitalsystem und der Maulhöhle vor und kann als strikter Anaerobier in angrenzenden Bereichen eitrige Entzündungen und Abszesse verursachen.

Fusobacterien gehören zur normalen Maulhöhlen- und Darmflora. Sie beteiligen sich als Erreger bei Infektionen an Huf und Klaue und an Wundinfektionen. Mittel der Wahl ist Penicillin G.

Peptostreptococcus spp., saprophytäre Keime in Mundhöhle, Kolon und Genitaltrakt, können intraabdominale Infektionen, Gangrän, Hautabszesse, Osteomyelitis, Genitalinfektionen u. a. bedingen. Mittel der Wahl sind Penicillin G und Aminopenicilline.