Fehlbildungen Gesicht

Divergierendes Doppelgesicht bei der Ente
Erwähnt im Katalog von 1838

 

"Eine junge Ente mit divergierendem Doppelantlitz und ohne Schädeldach (Diprosopus distans hemicephalicus)."

 

Gurlt schreibt zu dieser Missbildung in seinem Lehrbuch der pathologischen Anatomie: "Zwei  getrennte Antlitze, die mehr oder weniger voneinander abstehen, zwei Hirnschädel der ganzen Länge nach an den Seiten vereinigt, daher äußerlich entweder noch vier Augen, oder nur drei, immer nur zwei äußere Ohren. Großes Gehirn und Hirnknochen doppelt, kleines Gehirn und verlängertes Mark einfach.

Die Hirnschädelknochen sind doppelt, bis auf das Hinterhauptsbein, welches einfach ist; Scheitel- und Schläfenbeine sind nur an den einander zugewendeten Seiten verschmolzen; oder die knöcherne Schädeldecke fehlt."Dies ist bei diesem Präparat der Fall.

Januskopf (Doppelgesicht) beim Schaf
Gurlt erwähnt im Katalog 3. Fortsetzung 1856 mehrere Missgeburten mit divergierendem Doppelantlitz:

"Lämmer mit abstehendem Doppelgesicht und Hemicephalie."

 

Er schreibt zu dieser Missbildung in seinem "Lehrbuch der pathologischen Anatomie": "Zwei getrennte Antlitze, die mehr oder weniger voneinander abstehen (divergieren), zwei Hirnschädel der ganzen Länge nach an den Seiten vereinigt, daher äußerlich entweder vier Augen oder nur drei, immer nur zwei äußere Ohren. Beide Hirnschädel geschlossen, oder oben offen."

Januskopf (Doppelgesicht) beim Schaf - Rückansicht
"Rumpf und Gliedmaßen sind einfach, Herz doppelt oder einfach, Bauch-Eingeweide immer einfach.

Diese Art von Zwillings-Missgeburten stellt eigentlich nur ein Individuum dar, indem die Verrichtung der Theile, die doppelt vorhanden sind, immer gleichzeitig geschehen, z.B. die Bewegung der Augen, der Zunge, das Saugen usw.; sie leben gewöhnlich nur kurze Zeit nach der Geburt, höchstens einige Tage."

 

In der rückwärtigen Ansicht ist zu erkennen, dass der Hirnschädel nicht geschlossen ist und das nur zwei Ohren vorhanden sind.

Gesichtsspalte mit seitlich verkrümmten Oberkiefer beim Pferd
Erwähnt im Katalog 4. Fortsetzung von 1862

 

"Fohlenkopf mit seitwärts gekrümmter Nase. Auf der gewölbten Seite ist die Backe zur Hälfte gespalten."

 

Gurlt schreibt in seinem "Lehrbuch der pathologischen Anatomie": "Die Zwischenkieferbeine und die unteren Enden der Nasenbeine sind nach einer Seite gekrümmt, daher wird die Zunge und der Unterkiefer vorn nicht gedeckt. Alles Übrige am Kopfe und am Körper ist regelmäßig, und die so gebildeten Thiere leben nach der Geburt fort."

Lippenspalte beim Rind
Erwähnt im Katalog 2. Fortsetzung 1851

"Kalbskopf mit Lippenspalte."

 

Gurlt schreibt in seinem "Lehrbuch der pathologischen Anatomie": Die Oberlippe ist von oben nach unten in der Mittellinie gespalten (einfache Hasenscharte), oder sie ist an jeder Seite neben der Mittellinie gespalten (doppelte Hasenscharte). Diese Missbildung kommt einzeln nicht selten vor, aber auch oft mit Gaumenspalte, und obwohl sie dem neugeborenen Thiere bei dem Saugen hinderlich ist, so hat sie doch weniger Nachtheil als die Gaumenspalte."

Lippen- und Gaumenspalte beim Schwein
Erwähnt im Katalog 1. Fortsetzung von 1846

"Kopf eines neugeborenen Schweinchens mit Lippenspalte (Schistocephalus fissilabrus). Es ist zugleich ein Wolfsrachen zugegen."

 

Wolfsrachen (lat. rictus lupinus) ist der volkstümliche Ausdruck für Gaumenspalte.

 

Gurlt schreibt im "Magazin für die gesamte Thierheilkunde" zum Thema "Spaltungen des Gesichts" Folgendes: " Man nennt diese Spalten gewöhnlich Bildungshemmungen, aber nicht alle sind mit Recht so zu nennen, denn nicht bei allen ist dieser Zustand in einem frühern Bildungsverhältnisse begründet. Sie entstehen vielmehr dadurch, daß die Stellen, wo sich die Spalten zeigen, zu lange mit den Fruchthäuten verbunden waren, und daß also die Spalten hier gewissermaßen auf mechanische Weise entstehen, indem die gegenüberstehenden Ränder nicht zur Vereinigung kommen. In vielen Fällen bleibt die ungewöhnliche Verbindung mit den Fruchthäuten bis zur Geburt, in andern ist sie schon früher gelöst, aber es hängen noch Stücke der Fruchthäute an den Rändern der Spalten."