Condé Artikel Teil 3

Dritter Teil

 

Zu Lebzeiten des Großen Preußenkönigs nahm "Condé" hautnah ein Stück preußischer Geschichte wahr, und danach war das Prachtpferd lebendiger und schließlich toter Zeitzeuge der Geschichte der Veterinärmedizin in Berlin.

Friedrich der Große war als Tierfreund ein herausragender Förderer der Veterinärmedizin in Berlin. Auf seiner Inititiative basiert die "Königliche Tierarzneischule", die 4 Jahre nach seinem Tode 1790 in der heutigen Stadtmitte Berlins gegründet wurde. Seitdem - also 208 Jahre - war "Condé" in hautnaher Beobachtungsposition zur erfolgreichen veterinärmedizinischen Forschung und Lehre in Berlin. Das Skelett von "Condé" hat schließlich einen würdigen Platz im hervorragenden Anatomischen Museum des Institutes für Veterinär-Anatomie der Freien Universität in Berlin-Dahlem gefunden.

Friedrich der Große besaß zahlreiche Leibreitpferde. Er konnte bereits zum Zeitpunkt seiner Krönung im Jahre 1740 eine Marstall mit 4060 Pferden sein eigen nennen. Am Anfang seiner Regierungszeit erhielten die Pferde Namen nach Charakter und Exterieur wie Sternrappe, Fuchs und Brilliant. Später jedoch nahm die Namensgebung - wie bei "Condé" - Bezug auf Persönlichkeiten: So ritt Friedrich der Große ab 1760 auf "Bute", der nach einem englischen Staatsmann benannt wurde, auch ein "Caesar" und "Brühl" - benannt nach dem sächsischen Premierminister unter August dem Starken - standen in seinem Marstall.

Bekanntheit errang jedoch zunächst das Pferd seines Flügeladjutanten Kapitän von Götzen. Es ging in die Geschichte ein, weil der König beim Besteigen des Pferdes in der Schlacht bei Kunersdorf dem Tod nur um Haaresbreite entging. Er wäre fast von einer Kugel getroffen worden, hätte ihn nicht die goldene Tabattière in seiner Brusttasche vor größerem Schaden bewahrt. Unklar wird jedoch wohl immer bleiben, ob diese Rettung allein der Tabaksdose oder nicht auch einer plötzlichen Bewegung des Pferdes zu verdanken war.

Von allen berühmten Leibreitpferden Friedrich des Großen nimmt "Condé" einen hervorragenden Rang ein, denn als Skelett spielt das Pferd auch heute noch eine Rolle in der Ausbildung junger Tierärzte. Während die sehr vielen - didaktisch wertvollen - Ausstellungsstücke des Anatomischen Museums überwiegend zum "Begreifen" anatomisch komplizierter Sachverhalte herangezogen werden, ist ein "Begreifen" des Skelettes von "Condé" wegen seines historischen Wertes nicht erlaubt. Dennoch dient es dem Studium und läßt folgende Erkenntnisse zu: Das Skelett läßt ein hohes Alter, einen sehr guten Gesundheitszustand zu Lebzeiten, besonders am passiven Bewegungsapparat und ein markantes Knochenrelief eines edlen Pferdes erahnen, das bei aller Freiheit doch sehr oft ein Reiterzeug trug.

 

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