Condé Artikel Teil 2

Zweiter Teil

 

Zu Lebzeiten des Großen Preußenkönigs nahm "Condé" hautnah ein Stück preußischer Geschichte wahr, und danach war das Prachtpferd lebendiger und schließlich toter Zeitzeuge der Geschichte der Veterinärmedizin in Berlin.

"Condé" überdauerte seinen eigenen Tod, denn seine Haut wurde nicht für immer dem Jenseits übergeben, sondern für die Nachwelt erhalten. Präparatoren gerbten sie und stopften sie nach dem damaligen noch unvollkommenen Vorgehen in der Dermatoplastik aus. Die Kopfhaut wurde über einen hölzernen Kopf gezogen, der von einem unbekannten Künstler angefertigt wurde. Zusammen mit dem blausamtenen Geschirr befand sich die Haut viele Jahre im Langhans-Kuppelbau, in der späteren Veterinär-Anatomie der Tierärztlichen Hochschule Berlin und wurde dann im früheren Hohenzollern-Museum, dem späteren "Zeughaus" und heutigem "Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden, ausgestellt.

Hier erfreuten sich die weltlichen Reste des einstigen Lieblingspferdes auch unter den Besuchern großer Beliebtheit, die jedoch eher dazu führte, daß mutwillig nach und nach die schwarzen Tupfen im weißen Fell herausgezupft wurden. So wurde das Präparat mit der Zeit immer unansehnlicher und das blausamtene Reiterzeug immer abgegriffener. Schließlich nahm es sein endgültiges und jähes Ende mit der Zerstörung des Museums für Deutsche Geschichte durch eine Luftmine im 2. Weltkrieg.

Das Skelett von "Condé" wurde im Auftrage von Professor Sick vom Prosektor Dr. Reckleben präpariert und im Anatomischen Museum des Langhansschen Kuppelbaus aufgestellt. Es ist nicht sonderlich erstaunlich, daß der damalige Skelettbau noch nicht den heutigen Standard erreichte, und damit einige Defizite nicht zu leugnen sind. 1838 wird das Skelett, das ein Exponat der 300 Präparate darstellte, von dem damaligen Anatomen Professor E. F. Gurlt erwähnt und beschrieben.

1902 zog mit dem Anatomischen Museum das Skelett des "Condé" in die neu errichtete Veterinär-Anatomie, nur wenige Meter vom Langhansschen Kuppelbau entfernt. Es erhielt auf Anregung von Professor Schmaltz eine ovale Emailletafel, die sich noch heute am Skelett befindet, deren Inschrift wie folgt lautet:

 

"Condé", König Friedrichs des Großen Leibpferd.

"C." diente König Friedrich von 1711-1786

und trug ihn bei seinem letztem Ritt am 4. Juli 1786.

"C." starb 38 Jahre alt anno 1804.

 

Zugleich mit der Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins kam es zum dramatischen Wandel in der Berliner Veterinärmedizin. Weil an der Freien Universität im Jahre 1952 auch im damaligen Westteil der Stadt eine sehr erfolgreiche Bildungsstätte gegründet wurde, gab es nach der Wiedervereinigung neben vielen anderen Kuriositäten die wohl einmalige Besonderheit, daß eine Metropole nun zwei veterinärmedizinische Fakultäten besaß, die jedoch wegen der allseits bekannten Finanznot nicht zu halten waren, zumal das Studium der Veterinärmedizin zu den teuersten Bildungsgängen überhaupt gehört. Nach einem Beschluß des Berliner Senates und des Abgeordnetenhauses wurden beide renommierten Bildungsstätten vereinigt, und nach fünfjähriger Fusionszeit (1992-1997) gehören beide endgültig zur Freien Universität Berlin, die selbst in diesem Jahre ihren 50. Geburtstag feiert.

 

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