Nachruf

Prof. Dr. Rolf Berg
Prof. Dr. Rolf Berg
Prof Berg November 1991
Prof. Berg im November 1991
Bild: Prof. Berg bei der Übergabe eines ungewöhnlichen Doktorhutes
Bild: Prof. Berg bei der Übergabe eines ungewöhnlichen Doktorhutes

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Nachruf

Rolf Berg, geboren 1934 in Mecklenburg, studierte von 1953-1958 an der Humboldt-Universität in Berlin Tiermedizin. Er promovierte dort 1958, trat 1959 als Assistent ins Institut für Veterinär-Anatomie ein und habilitierte 1964. Im Jahre 1969 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt und übernahm 1974 von seinem Lehrer Tankred Koch die Leitung des Instituts. Zum ordentlichen Professor wurde er 1983 ernannt.

Gemeinsam mit seinen Kollegen aus Berlin-Ost und -West vollzog er 1993 die Fusion beider tieranatomischen Institute und wirkte erfolgreich als Prodekan mit dem Dekan Prof. K. Hartung im fusionierten Fachbereich zusammen.

Bereits von 1966-68 und 1977-81 wirkte Rolf Berg als Professor für Anatomie mit größtem Erfolg an der Universität in Kairo (Ägypten). Zahlreiche weitere Auslandsaufenthalte führten ihn als Gastprofessor mehrmals nach Iowa (USA) und Valdivia (Chile). In Berlin wurde er 1999 mit Erreichen der Altersgrenze pensioniert, lehrte und forschte aber bis 2012 an der Ross University St. Kitts (West Indies).

Wie auch im heimischen Berlin, gelang es ihm als Gastprofessor durch seine einprägsame und klare Wissensvermittlung, die Studenten für die Anatomie zu begeistern. Bestnoten erhielt er aber nicht nur von seinen Studenten. Seine Arbeit wurde im Kollegium sowie in der Fakultät bzw. im Fachbereich Veterinärmedizin immer hoch geschätzt.

 

Seine Forschungsschwerpunkte waren Angiologie, Kardiologie und topographische Anatomie. Dem letztgenannten Gebiet war seine Monographie „Angewandte und topographische Anatomie der Hausstiere" gewidmet. Weiterhin bearbeitete er das „Lehrbuch der Veterinär-Anatomie" von Tankred Koch, das „Wörterbuch der Veterinärmedizin“ (E. Wiesner, R. Ribbeck) sowie „Topographie und Schlachttierleistungsprüfung“ (Gehrke/Berg/Rossow). Zusammen mit Professor Budras fungierte er als Editor der englischsprachigen Auflagen der Atlanten zur Anatomie des Hundes und des Pferdes.

Es entstanden unter seiner Leitung 55 Diplomarbeiten, 92 Dissertationen, 3 Habilitationen und 140 Publikationen.

Die Veterinärmedizin verlor am 10.11.2014 mit Prof. Dr. habil. Rolf Berg einen hervorragenden, international anerkannten Forscher und akademischen Lehrer sowie einen warmherzigen und zuverlässigen Kollegen.

K.-D. Budras, K. Hartung, Th. Hiepe sen., Hana Hünigen und Johanna Plendl

 

Obituary

Rolf Berg, born in 1934 in Mecklenburg, studied veterinary medicine from 1953 until 1958 at the Humboldt University in Berlin. He obtained his doctorate at the Humboldt University in 1958, joined the Institute of Veterinary Anatomy in 1959 and earned his habilitation in 1964. He was appointed associate professor in 1974, the same year when he took over as head of the institute from his mentor Tankred Koch. He became full professor in 1983.

Together with his colleagues from the former East and West Berlin, he oversaw the successful merger of both veterinary anatomical institutes in 1993. Afterwards, he joined forces with the dean Prof. K. Hartung and became vice dean of the merged department of veterinary medicine.

From 1966 to 1968 and from 1977 to 1981, Rolf Berg was very successful in his role as professor of anatomy at the former University of Cairo in Egypt. He was also a visiting professor at universities in Iowa, USA, and Valdivia, Chile. In 1999, he retired in Berlin, having reached retirement age. However, he taught anatomy and did research at St. Kitts University in the West Indies until 2012.

By his engaging way of teaching, Rolf Berg managed to fill his students with enthusiasm for anatomy. He was also a highly esteemed member of the faculty and department of veterinary medicine and his work and research findings were highly valued among his peers.

The focus of his research was angiology, cardiology and topographic anatomy. His monograph „Angewandte und topographische Anatomie der Hausstiere" was dedicated to the latter research area. He also contributed to „Lehrbuch der Veterinär-Anatomie" by Tankred Koch, to „Wörterbuch der Veterinärmedizin“ (E. Wiesner, R. Ribbeck) as well as to „Topographie und Schlachttierleistungsprüfung“ (Gehrke/Berg/Rossow). Together with Professor Budras, he edited the German and English editions of the “Atlas zur Anatomie des Hundes” and “Atlas zur Anatomie des

Pferdes”.

Rolf Berg oversaw 55 diploma theses, 92 doctoral theses, 3 habilitations as well as 140 publications.

On 10 November 2014, veterinary medicine lost Prof. Dr. habil. Rolf Berg, an outstanding, internationally respected researcher and academic, who was also a warmhearted and reliable colleague.

K.-D. Budras, K. Hartung, Th. Hiepe sen., Hana Hünigen und Johanna Plendl

weitere Gedanken


Man sieht so viele Lehrer in seiner Schüler- und Studentenlaufbahn, doch wenige sind für mich so gut in Erinnerung geblieben wie er. Professor Berg hatte ja in Berlin den Ruf sehr streng aber fair zu sein, und mit seiner dröhnenden Bass-Stimme war er doch sehr beeindruckend für uns ahnungslose Erst-Semesterstudenten. Ich erinnere mich noch an viele Präparierstunden, in denen er an unseren Tisch kam und uns etwas sehr laut (!) und doch schmunzelnd erklärte, und uns sagte, dass 'Pharynx ist gleich Larynx und vier ist gleich fünf' sei! Was er sagte, das merkte man sich dann aber auch! Auch hat er meine Anatomieprüfung im Physikum abgenommen, und mit strengem Blick ein Tablett mit der Milz von verschiedenen Tieren 'serviert' - doch war er ein hervorragender Prüfer, der mich dann schmunzelnd weiter ermutigt hat, ich also auf dem richtigen Pfad zu sein schien! Auch seine Anatomie Bücher begleiten mich heute noch immer, als Radiologe muss man doch immer mal wieder darauf zurückgreifen. Als ich dann in die USA gegangen bin wusste ich zwar, dass er 'irgendwo in der Karibik' ist, doch wusste ich nicht, dass jedes Jahr einige Studenten von Ross University nach Wisconsin kamen, um ihr klinisches Jahr zu absolvieren. Es wurden viele Geschichten ausgetauscht, wie Professor Berg nun in St Kitts unterrichtet - und die Erzählungen waren mir so bekannt! Ich freute mich zu hören, dass er die Strandspaziergänge mit seiner Frau genoss und die Studenten begeistert von ihm erzählten. Es freut mich immer sehr zu sehen wie klein die Welt wirklich ist wenn man sieht, wie sich die Wege der verschiedensten Menschen überlappen, verbunden darin dass sie eine Person, nämlich Professor Berg, kannten.

Es bringt mich immer wieder zum Schmunzeln an Prof Berg zu denken. Er hat doch wirklich meine Begeisterung für die Anatomie geweckt und gefördert. Ich kann nur hoffen, dass ich irgendwann einmal nur annähernd solch einen Einfluss auf meine Studenten haben werde! 

- Dr. Randi Drees

 

Meine Kollegin Randi Drees hat mich über den Tod von Prof Berg informiert, was mich sehr getroffen hat. Ich habe 1988 mein Vetmed Studium an der Humboldt Uni angefangen und Prof. Berg hat sehr prägende Erinnerungen bei mir hinterlassen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich als Radiologe praktisch ein klinischer Anatom bin und das ständig benutze. Hier sind meine Top-10-Erinnerungen:

  1. Studi Spruch: "Wenn er keine Tierart erwähnt, meint er Pferd"
  2. Retrosternales Fettpolster (kennt weltweit Niemand beim Namen)
  3. Sussdorfscher Raum (dito)
  4. Kiefergelenk-Anatomie (Eigenschaften des Diskus, hat er publiziert)
  5. Mensch und Kamel haben 12 Rippen
  6. "Müssen wir ALLE Muskeln vom Band 1 wissen? - Die ganz kleinen mit den ganz langen Namen können Sie weglassen"
  7. Unser Jahrgang war davon überzeugt, dass der M. piriformis nicht wirklich existiert. Nie gefunden bei der Sektion. Gewisser Angstfaktor für die Prüfung.
  8. Limbisches System im Gehirn und Rückenmarkstraktus, waren die als "nutzlosesten" empfundenen Strukturen, die wir lernen mussten. Benutze ich jetzt täglich.
  9. Kittel noch nicht besorgt für das erste Sektionsseminar: "Sie sollten Germanistik studieren". Hab ich dann auch gemacht (naja, Nordistik).
  10. Koronarterienvariationen beim Mini-Schwein

- Dr. Tobias Schwarz

 

 

Das erste Studienjahr war besonders schwer für uns. Wir hatten zwar den Deutschkurs abgeschlossen, aber unsere Sprachkenntnisse waren noch nicht auf dem Niveau alles zu verstehen und uns verständlich zu machen. Noch dazu waren wir von unseren deutschen Mitstudenten anfangs abgegrenzt. Alle anderen kannten sich irgendwie gegenseitig und waren mit der Uni und den Gebäuden schon zum Teil vertraut. Wir sind ihnen anfangs nur hinterhergelaufen, meistens ohne zu wissen wohin. Es gab nur einen einzigen Leuchtturm für uns in dieser schweren Zeit: Prof. Berg und seine Vorlesungen. Seine Art zu lehren, war einzigartig. Er hat so klar und unkompliziert gesprochen, und seine laute und kristallklare Stimme hat so den Hörsaal gefüllt das alle Studenten, uns inklusive, 90 Minuten lang an seinen Lippen hingen. Seine Ausstrahlung war einzigartig genauso wie seine Fähigkeit zur Wissensvermittlung. Bis zum Physikum war Prof. Berg für mich der einzige Professor, dessen Vorlesungen ich sprachlich folgen konnte und daher liebend gern besuchte.

Prof. Berg war ein besonderer Mensch, nicht nur ein ausgezeichneter Anatomie Professor. Es war eine einzigartige Beziehung zwischen Ihm und uns, den Studenten. Er war eine Respekt einflößende Persönlichkeit, aber er war niemals arrogant oder unerreichbar. Er hat mit uns immer auf Augenhöhe gesprochen. Ich werde niemals vergessen, wie er uns Studenten und mich als "Herr Kollege" angesprochen hat, obwohl wir in Wirklichkeit noch gar keine waren. Das hat mir damals ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens gegeben, das mir unwahrscheinlich beim Studium geholfen hat. Keine Frage blieb in beantwortet und die Tür seines Büros im Institut für Anatomie war für uns immer offen, wenn es um Fragen oder Probleme ging. Er war immer bereit zu helfen und zu erklären.

Seine Vorlesungen und Präparierkurse waren immer bestens vorbereitet, damit die Studenten das Maximum daraus gewinnen könnten. Ich werde niemals eine Szene bei einem Präparierkurs über die Anatomie der Schweine vergessen. Ich und mein Kollege aus Zypern waren, wie immer, als letzte in den Präpariersaal gekommen (nicht nur dass wir immer unseren Deutschen Kommilitonen von einem Hörsaal zum anderen hinterhergelaufen sind, wir waren auch nicht in der Lage das Schritttempo zu halten). Überall auf den Tischen lagen Schweinehälften, alle besetzt mit unseren Kommilitonen, alle bis auf eins! Die Aufgabe lautete wir sollten zu zweit je eine Schweinehälfte aufsuchen, damit der Kurs anfängt. Ich machte mich mit meinem Kollegen auf dem Weg zu der übriggebliebenen Schweinehälfte; unmöglich. Sie war grünlich und der Verwesungsgeruch war so stark, dass wir nicht dichter als zwei Meter kommen konnten. In dem Moment betrat Prof. Berg den Saal und sah uns mitten im Saal stehend. Gibt es kein Präparat für sie Herren Kollegen, fragte er. Uns war die Sprache weg; bevor wir Antworten konnten hat Prof. Berg seinen Assistenten gerufen und fragte ob nicht genügend Präparate für alle Studenten ausgelegt wurden. Er versicherte Prof. Berg, dass alle abgezählt waren und suchte ob eins frei wäre. Natürlich wurde er fündig, die verweste Schweinehälfte war natürlich übrig. Prof. Berg ist zum Präparat gegangen, aber wir sind stehen geblieben aus Angst wegen des Geruchs brechen zu müssen. Prof. Berg kam wieder zu uns und hat ganz respektvoll und unauffällig gefragt ob wir Muslime sind und ob wir aus diesem Grund bevorzugen würden nicht an der Übung teilzunehmen. Wir haben ihm erklärt, dass wir keine Muslime sind aber dass der Geruch für uns nicht auszuhalten war. Kommen sie mit Herren Kollegen, sagte er mit seiner klare Stimme und führte uns zu dem grünlichen Präparat. Er klopfte dann auf die Schweinehälfte und sagte, dass es ein wunderbares Präparat sei und wir sollten diese Gelegenheit nutzen zum Lernen und dass wir uns keine Gedanken über den Geruch machen sollten, denn nach ein paar Minuten würden wir uns daran gewöhnen. Es blieb uns nichts anderes übrig als das zu tun, wozu er uns aufgefordert hatte. Er war schließlich als Erster und Vorbild zum Präparat gegangen ohne zu zögern. Er hatte Recht. In der Tat hatten wir uns nach kurzer Zeit an dem Geruch gewöhnt und die Übung überstanden und durch den persönlichen Einsatz von Prof. Berg haben wir in dem Fall auch die Anatomie der Schweine gemeistert.

- Dr. Polyvius Neocleous

 

An meine Vorklinik kann ich mich noch sehr gut erinnern.  Meine liebste Anekdote um Prof. Berg stammt aus einem Anatomietestat. Ein Prüfling sollte ein Euter identifizieren und antwortete auf die Frage von Prof. Berg, was das denn sei: „Das ist ein Mammarkomplex“, worauf Prof. Berg erwiderte: „Ich kriege gleich einen Mammar-Komplex!“

- Dr. Susanne Platt

 

I am a Ross University alum and had the pleasure of being one of Dr. Berg's students. I was never a student that spent a lot of time with my professors - I don't know too many that would recognize me today. However, Dr. Berg was definitely one of those professors that had an impact on my early veterinary career. He was very patient and thorough during anatomic laboratory. For as serious as he took his anatomy, he always seemed to place a well timed joke or comment to make us laugh. To this day, I can still hear him announce before every lecture / lab / quiz - "Ladies and Gentlemen, it is time to start our anatomical lecture..."

I'm sad to hear he passed away, but I'm grateful he had a role in who I am as a veterinarian today.

- Tom Gawel, DVM, Ross University School of Veterinary Medicine, Class of 2009.