Federrupfen

Rupfer
Rupfer Bildquelle: www.aktiontier.org
  • Alle Vögel können zum Rupfer werden!
  • Einzeln gehaltene Vögel häufiger, aber nicht ausschließlich
  • Vogel verpaaren ist nicht immer die Lösung!
  • Auch Sozialstress führt zum Rupfen

Arten

Selbstrupfen

Phase 1

  • Übermäßiges Putzen bestimmer Körperregionen
  • Spielerisches Beknabbern von Körperfedern oder ausgefallenen Federn

Phase 2

  • Zaghaftes Auszupfen, Beknabbern und Auffressen von kleinen Konturfedern an Bauch- oder Schultergefieder

Phase 3

  • Periodisches Kahlrupfen größerer und kleinerer Körperpartien an Brust, Schulter Rücken

Phase 4

  • Kahlrupfen des gesamten Körpers bis auf das nicht erreichbare Kopfgefieder
  • Gelegentlich auch Anknabbern der Haut
  • Oft Euthanasie

Rupfen von Jungtieren

  • Gehäuft bei Unzertrennlichen (Agarpornis spp)
  • Besonders Federpartien im Schuler- und Rückenbereich
  • Leitet selten zum Kannibalismus über

Rupfen des Partnervogels

  • Durch dominanten Partner
  • Oftmals beginnend am Kopfgefieder!
  • Unabhängig oder gleichzeitig zur Automutilation
  • Rupfen des Nackenbereiches des Weibchens durch das Männchen während der Brutzeit ist geschlechtsspezifisches Verhalten

Ursachen

  • Infolge Erkrankung -> Organische Ursachen
  • Unzureichende Haltungsbedingungen
  • Sensibilität und Intelligenz
  • Ausgeprägtes Sozialverhalten


  • Papageien haben unter allen Vögeln das größte Gehirn im Vergleich zur KM (Pearson, 1972)
  • Papageiengehirn dem hochentwickelter Säuger ebenbürtig (Avian Brain Nomenclature Consortium, 2005)
  • Vergleichbare Gehirnleistung mit Menschenaffen (Iwaniuk, 2005)
  • Intellekt eines dreijährigen Kindes
  • Erstaunliche Gedächtnisleistungen
  • Werkzeuggebrauch
  • Nachahmungs- und Anpassungsfähigkeit
  • Komplexe soziale Verhaltensmuster

Problem Nr. 1

  • Vögel in Gefangenschaft sind oft unterfordert und langweilen sich
  • Ablenkung z.B. mit Putzen
  • Gesteigerter Putztrieb wird zwanghaft
  • Rupfen

Sozialleben in Gruppen

  • Während Fortpflanzungs- und Aufzuchtszeit paarweise (kleinste Einheit)
  • Sonst in kleinen Gruppen (Familienverbänden) bis großen Schwärmen

Nahrungserwerb

  • Zeitaufwand in der Natur über 12 h (720 min)

Problem Nr. 2

  • Vögel in Gefangenschaft haben zu viel Zeit!
  • Zeit wird z.B. mit Putzen verbracht
  • Gesteigerter Putztrieb wird zwanghaft
  • Rupfen
  • Fremdrupfen oder Automutilation

Problem Nr. 3

  • Vögel in Gefangenschaft sind sexuell frustriert
  • Fütterung und Kraulen durch den Menschen wird als Balz aufgefasst
  • Papageien fühlen sich „angemacht“
  • Kopulation kann nie stattfinden
  • Oftmals Tiere ab Eintritt der Geschlechtsreife betroffen
  • zw. 2-4 Jahren
  • Periodisch oder kontinuierlich
  • Vor allem handaufgezogene Vögel

Problem Handaufzucht

  • Küken werden nach dem Schlupf per Hand aufgezogen und kurz vor der Futterfestigkeit abgegeben
  • „Superzahmer Papagei“
  • Wichtige Sozialisierungsphase geht verloren
  • Prägung während der Nestlings- und Jugendzeit
  • Verlust meist nicht mehr umkehrbar
  • Studie an 105 Graupapageien (Schmidt, 2004)
  • Aggressiver
  • Dulden weniger Kontakt
  • Erhöhte Anfälligkeit, zu Rupfern zu werden
  • Zeigen signifikant häufiger stereotypes Verhalten
  • Nur 33 % der handaufgezogenen Papageien zeigen normales Sexualverhalten

Problem Nr. 4

  • Sehsinnesleistungen der Vögel bleiben bei der Haltung oft unberücksichtigt
    • Tetrachromaten (rot, grün, blau, gelb)
  • UV-Perzeption
  • Reine Innen-Haltung erlaubt keine UV-Perzeption, da UV-Licht durch Fensterscheiben gefiltert wird
  • Federkleid fluoresziert im UV-Bereich (Psittacofulvine)
  • Geschlechtererkennung (Paarfindung, Balz)
  • Individualerkennung
  • Unterscheidung reifer von unreifen Früchten
  • Erkennen schädlicher Substanzen (Aflatoxine)
  • Flickerfusionsfrequenz von 150-200 Bildern/Sek.
    • (Mensch 23-25 Bilder/Sek.) (Ellemberg et al., 2003)
    • Taktfrequenz Leuchtstofflampen: 50 Hz

Abhilfe beim Federrupfen

  • Organische Ursachen behandeln
  • Haltungsbedingungen optimieren
  • Umdenken beim Vogelbesitzer herbeiführen
  • Auf langwierigen Prozess hinweisen
  • Handaufgezogene Vögel oft therapieresistent

Haltungsbedingungen optimieren

1. Vogel einen geeigneten Partner bieten

  • Gleiche Art!
  • Anderes Geschlecht
  • Gleichaltrig
  • Verpaarungsversuch auf fremden Terrain
  • Ohne Anwesenheit des Besitzers
  • Papageien-Partnervermittlung
  • Keine Handaufzucht

2. Raumklima anpassen

  • Luftfeuchte erhöhen
  • Keine Raumdüfte, Rauchen im Vogelzimmer, …
  • Tageslicht auf max. 12 h beschränken
  • Vogel-Lampen einsetzen
  • Vorschaltgeräte
  • Stille bedeutet Gefahr! Radio einschalten

3. Käfigeinrichtung optimieren

  • Schlupfwinkel schaffen
  • Spiegel raus, natürliches Spielzeug rein!
  • Knabber- und Klettermöglichkeiten
  • Bademöglichkeiten

4. Umdenken beim Besitzer

  • Vom Ersatzpartner zum Futterspender
    • Kein Kraulen
    • Kein Füttern von Hand
    • Dominanztraining (Dominante Vögel sitzen oben!)
    • Verhaltenstraining
  • Bei extremer Automutilation: Halskragen
  • Diazepam: 0,5 - 2 mg/100ml TW
  • Psychopharmaka
    • Haloperidol 0,1 mg/kg 1x tgl. oral