Verhalten des Wildhuhns

Wildform

Bankivahuhn, Rotes Dschungelhuhn, Red Junglefowl

(Graues, Braunes, Grünes Dschungelhuhn)

Vorkommen

  • Bevorzugen lichtes Unterholz oder sekundäre Vegetation nach (Brand) Rodung
  • Schutz vor Witterungseinflüßen (Sonne, Regen) und vor Raubvögeln

Sozialverhalten

  • Kontakt zu anderen Hühnern notwendig
  • Sozialverband bietet Schutz und Sicherheit
  • Kommunikation mittels verschiedener Körperhaltungen, Zeichen und Lautäußerungen (bis zu 31 unterschiedliche beschrieben)
  • Gruppenverband (Haremsverband):
    1 dominanter Hahn mit  4 – 12 Hennen und bis zu 6 subdominanten Hähnen
  • Subdominante Hähne können sich entweder einem Haremsverband anschließen oder einzeln zwischen verschiedenen Territorien leben
  • Erkennen von Tieren aus anderen Gruppen als solche
  • Individuelle Unterscheidung der Gruppenmitglieder, allerdings eine genaue „Musterung“ aus 10 – 30 cm Entfernung notwendig
  • Meist lineare, selten auch nicht lineare Rangordnung
  • Die Ausbildung beginnt ca. 2 Wochen nach Schlupf, Höhepunkt der Rangkämpfe im Alter von 9 – 10 Wochen, danach relativ stabil; bei Hähnen noch Veränderungen bei Eintritt der Geschlechtsreife (Testosteron)
  • Hackordnungen nach Hähnen und Hennen getrennt; alle Hähne sind allen Hennen überlegen; keine Kämpfe zwischen adulten Hennen und adulten Hähnen
  • Rangbeeinflussend sind Kraft, Ausdauer, großer Kamm, Körpergewicht, Alter neben Aggressivität etc.
  • Die Anwesenheit ranghöherer Tiere wirkt hemmend auf Auseinandersetzungen rangniederer Tiere; im Umkreis von drei Metern um dominanten Hahn wurde kein agonistisches Verhalten zwischen Hennen beobachtet

Revier

  • Relativ kleines Revier (0,3 – 2 ha); Nachtruheplatz (meist Baum) im Zentrum, Wasser- und Futterquellen)
  • Selten Verlassen des Reviers
  • Wird von dominantem Hahn gegen das Eindringen anderer dominanter Hähne, manchmal auch subdominanter Hähne verteidigt
  • Abgrenzung des Territoriums durch Krähen (häufig in der Dämmerung, selten tagsüber)
  • Krähen eines anderen dominanten Hahns wird meist von dominantem Hahn beantwortet, das Krähen subdominanter Hähne wird ignoriert

Ruheverhalten

  • Nach Möglichkeit wird jede Nacht auf dem selben Baum verbracht
  • Der Baum befindet sich meist im Zentrum des Territoriums
  • Jeder Vogel hat seinen Stammplatz
  • Der Ruheplatz wird bei einer ungestörten Nachtruhe nicht gewechselt

Tagesablauf

  • Außerhalb der Brutzeit bleibt die Gruppe zusammen und synchronisiert ihre Tätigkeiten
  • Mehr als 90% der Wachzeit wird mit Futteraufnahme inklusive Nahrungssuche (Scharren, Picken auf dem Boden) verbracht

Ernährung

  • Anregung durch fressende Artgenossen -> Synchronisation
  • Verwilderte Haushühner in Schottland: Grass, Eicheln, Blätter, Samen, < 10% Insekten (bei Küken > 60%)
  • In Tropen auch viele Früchte

Fortpflanzung

  • Eiablage
    • Meist am Vormittag
    • Die Henne sondert sich von der Gruppe ab, teilweise zusammen mit dem Hahn
    • Betrachtung verschiedener Nistplätze („Niemals nimmt sie das erste Nest an, das ihr der Hahn zeigt.“)
    • Nester befinden sich auf dem Boden, evtl. werden natürliche Vertiefungen genutzt, auf jeden Fall ist er bestmöglich verborgen (dunkel)
    • Bearbeitung des gewählten Platzes mit den Füßen und durch kreisende Bewegungen mit dem Körper; Nistmaterial sind Blätter und Federn
    • Nach einer Ruhephase von 10 – 30 min wird das Ei gelegt
    • Nach einer weiteren Ruhephase von einigen Minuten wird das Nest verlassen und die Eier mit Nistmaterial bedeckt
    • Durch Gackern wird der Hahn herbeigerufen und beide kehren zur Gruppe zurück
  • Die Küken sind Nestflüchter
  • Innerhalb der ersten 36 – 72 h Prägung, sowohl auf die Glucke als auch auf andere Küken, hohe Bedeutung von Lautäußerungen, Umprägung auf Menschen fast unmöglich
  • Angeblich schon mit etwa 10 Tagen flügge; beim Haushuhn später

Komfortverhalten

  • Strecken (Flügel-Bein-strecken, Flügelschlagen)
  • Federputzen (Fremdputzen?) / Gefiederordnen
  • Schütteln
  • Staubbaden

Staubbaden:

  • Entfernung überflüssiger Lipide aus dem Gefieder
  • Verbesserung der Federstruktur
  • Verminderung von Ektoparasitenbefall?
  • Typische Abfolge von verschiedenen Handlungen
  • Dauer zwischen 1 und 59 min, im Schnitt etwa 20 – 30 min alle 2 Tage
  • Höhere Temperaturen und Licht führen zu häufigerem Staubbaden, gestaubbadet wird auch, wenn kein Substrat zur Verfügung steht