Federpicken, Kannibalismus

Bedeutung

  • Federpicken wurde schon Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben und ist eines der größten Probleme der Geflügelhaltung
  • Tierschutz
  • Wirtschaftliche Schäden:
    - Mortalität
    - schlechteres Federkleid führt zu höherem Wärmeverlust und somit höherem Futterbedarf

Einteilung

  • Leichtes Federpicken (Verhaltensstörung?)
  • Starkes Federpicken mit Schäden am Gefieder
  • Hautkannibalismus
  • Kloakenkannibalismus
  • Zehenkannibalismus

Mögliche Ursachen

Die Frage aus welchem Funktionskreis das Federpicken stammt, ist heftig diskutiert:

  • Futtersuche/ -aufnahme?
  • Gefiederpflege / Staubbaden?
  • Agonistisches Verhalten wird meist per Definitionem ausgeschlossen

Risikofaktoren

  • Wegen Substragmangel gestörtes Futtersuch- und –aufnahmeverhalten während der Aufzucht
  • Evtl. reduziert früher Zugang zu Substrat das Auftreten von Federpicken und Kannibalismus
  • Bessere Einstreuqualität kann Federpicken reduzieren
  • Negative Korrelation zwischen Futteraufnahme und Federpicken
  • Die Gabe von Pellets kann zu erhöhtem Federpicken führen (zu kurze Futteraufnahmezeiten); Legehennen bekommen in Deutschland Futtermehl
  • Blut scheint für Hühner attraktiv zu sein: Blutflecken sind ein häufiges Ziel von Picken
  • Federpicken kann durch geringere Lichtintensitäten reduziert werden
  • Das Vorhandensein erhöhter Sitzstangen kann Federpicken reduzieren (Die Tiere können sich dem Picken entziehen)
  • Erhöhte Besatzdichte ist mit Federpicken korreliert
  • In größeren Stalleinheiten kann sich Federpicken weiter und schneller ausbreiten (soziales Lernen)
  • Genetische Veranlagung: Heretabilitäten von bis zu 0,38 wurden ermittelt
  • Bei ungeeigneten Legenestern verlassen die Hennen das Nest zu früh, bevor der während der Eiablage vorgestülpte Legedarm wieder ganz eingezogen ist
  • Überhöhte Temperatur
  • Luftqualität (Luftfeuchtigkeit, mangelnde Ventilation, Sauerstoffmangel, erhöhter Schadgas- und Staubgehalt)
  • Weitere Faktoren:
    - Geschlecht & hormonelle Einflüße (Östrogen)
    - Bewegungsmangel
    - Mangel an bestimmten Inhaltsstoffen im Futter

Gegenmaßnahmen

  • Aussonderung verletzter Tiere
    - Aus Tierschutzgründen
    - Zur Reduzierung des Lerneffektes
  • Entfernen der Picker (teilweise erkennbar am blutigen Schnabel)
  • Optimale Umweltgestaltung
    - Temperatur
    - Luftfeuchtigkeit
    - Einstreuqualität
    - Besatzdichte
    - Verdunkelung der Ställe
    - Neue Strukturierung der Ställe (Fluchtbereiche, Rückzugsbereiche)
  • Kürzen der Schnäbel
    - Verhindert nicht das Federpicken, nur geringerer Schaden
    - Beeinträchtigung der Tiere?
    - Alle gängigen Methoden führen zu histopathologischen Veränderungen von unterschiedlicher Dauer
    - Tierverhalten wird nicht negativ beeinflusst
    - Bedarf eine Erlaubnis durch die zuständige Behörde (Amputationsverbot)
    - Darf nur vorgenommen werden, wenn ein Sachkundenachweis vorliegt und es im Hinblick auf die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich ist
    -Wird bei Boden- und Volierenhaltung i. d. R. problemlos genehmigt