Bekämpfung

Die Seuchenbekämpfung beim Auftreten klassischer Geflügelpest ist in den Mitgliedstaaten der EU durch die EU-Richtlinie 2005/94/EG über Gemeinschaftsmaßnahmen zur Bekämpfung der Geflügelpest geregelt. Die Umsetzung in nationales Recht erfolgt in Deutschland durch die Geflügelpest-VO und über die Verordnung über Schutzmaßnahmen beim Auftreten von Geflügelpest bei wildlebenden Vögeln (Wildvogel-Geflügelpestschutz-VO vom 19.2.2006).

Neben nationalen und internationalen gesetzlichen Bestimmungen sind die Bekämpfungsmaßnahmen in den Betrieben, insbesondere die Durchführung von hygienischen Maßnahmen und die Abschirmung der Betriebe vor allem gegen Wassergeflügel, Wildvögel sowie Hausschweine von größter Bedeutung.

Grundlage der seuchenhygenischen Bestimmungen und Bekämpfungsstrategien sind die Verhütung der Erregereinschleppung und -Verbreitung.

Verhütung der Erregereinschleppung:

Hygiene (Biosecurity)

  • Fernhalten der Wildvögel vom Stall, dies ist in geschlossenen Haltungsformen einfacher zu realisieren als in offenen Systemen (Stallpflicht)
  • Beschränkung des Personenverkehrs
  • Bereitstellung von stalleigener Kleidung, Überschuhen und Desinfektionswanne
  • gründliche Reinigung und Desinfektion von Transportfahrzeugen, Verladeeinrichtungen, Transportkisten und sonstigen Geräten

Early Detection

  • Monitoring der Subtypen H5 und H7  (werden gering pathogene Vertreter der Subtypen H5 und H7 nachgewiesen, sind diese wegen der Gefahr der Pathogenitätssteigerung zu bekämpfen)

Verhütung der Erregerverbreitung

  • Ausmerzung
  • Verbot der Verbringung
  • Überwachungsprogramme
  • Impfung
  • Aufklärung

Wird der Erreger festgestellt und amtlich bestätigt ist mit dem betroffenen Betrieb folgendermaßen zu verfahren:

  • Stillstand des Betriebes → kein Import/ Export und Keulung des Bestandes
  • Der Bereich im Radius von 3 km um den Betrieb wird für 21 Tage zum Sperrbezirk
  • Der Bereich im Radius von 10 km um den Betrieb wird für 30 Tage zum Beobachtungsgebiet

Keulungsmethoden

  • Co2 oder CO – Gas - Einleitung in Containern oder in den Stall
  • Begasung mit Cyanwasserstoff (Blausäure)
  • Tötung durch Strom im Wasserbad
  • T61-Injektion

Impfung

Es besteht ein allgemeines Impfverbot. Falls es die Seuchenlage erfordert, kann allerdings (bei Zustimmung aller EU-Mitgliedsländer) in einem definierten Gebiet für eine begrenzte Zeit unter strengen seuchenhygienischen und handelspolitischen Auflagen ein inaktivierter Impfstoff eingesetzt werden. Die Antikörper müssen sich von denen durch das Feldvirus unterscheiden lassen (Reverse genetic vaccine: markierte Impfstoffe zur Differenzierung vom Felderreger. Der Impfstoff enthält einen anderen N-Subtyp (z.B. H5N3) als der Feldstamm (H5N1).

Derzeit ist allerdings kein Impfstoff verfügbar, der die Auflagen optimal erfüllt.

Die Nachteile einer Impfung sind:

  • ein Impfstoff verhindert die Infektion nicht und vermittelt falsche Signale
  • sie schützt nicht vor Übertragung
  • die „Impftrupps“ selbst stellen ein Risiko der Erregerverschleppung dar, da sie von Bestand zu Bestand gehen
  • eine Immunantwort ist nur von kurzer Dauer, Boosterungen sind notwendig
  • für Länder, die herkömmliche, nicht-markierte-Impfstoffe verwenden, werden Handelsbeschränkungen aufgestellt

Die Vorteile einer Impfung sind:

  • die Anzahl empfänglicher und infizierter Tiere wird reduziert
  • die Erregerausscheidung wird reduziert
  • die wirtschaftlichen Verluste für die Betriebe werden reduziert

Die erhältlichen Impfstoffe zeigen bei Hühnern weltweit eine bessere Wirkung als bei Puten.