hahn
Aufnahme Friedrich Hahns aus der Festgabe für Prof. Gurlt von 1868

Friedrich Hahn aus Meseritz besuchte die Königliche Tierarzneischule in Berlin von 1823 bis 1827. Seine Personalakte wurde ab dem Tag seiner Aufnahmeprüfung bis zur Übersendung des Abschlußzeugnisses geführt.

Personalakte Friedrich Hahn
Zivileleve der Königlichen Tierarzneischule in den Jahren 1823 bis 1827
7 gez. Blätter, 84 gez. Seiten

Übersicht:
- Titelblatt
- Aufnahmeprüfungsbericht durch Halbach
- Empfehlungen: Medizinalrat Gumpert und Postdirektor Schneider
- selbstverfaßter Lebenslauf Friedrich Hahns
- Darlegung der Gründe für das angestrebte Studium (Fr. Hahn)
- Bekanntgabe der Aufnahme an Fr. Hahn
- Ablehnung eines Stipendiums durch Halbach

Prüfungsakte:
- Gutachten über Dummkoller (Fr. Hahn)
- Krankheitsgeschichte über Wund Starrkrampf (alle Fr. Hahn)
- " " Bauchwassersucht
- " " Sprunggelenkgallen und gutartige Mauke
- " " rheumatisches Fieber
- " " Wurm (lacheria lymphatica farciminosa Veitl)
- Nachweis der besuchten Vorlesungen und Antrag auf Prüfungszulassung
- Kurs- bzw. Vorlesungsübersicht
- Protokoll der praktischen Hufbeschlagungsprüfung
- Bericht über bereits angefertigte Prüfungsteile und die dann folgenden Prüfungsfelder
- Zeugnis
- Wiederholung der Hufbeschlagungsprüfung
- Zeugnisüberstellung

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Abschrift
[unleserliches Wort, unleserliche Silbe; mögliche Lesart [?]]

Titel:

Königl. Thierarzneischule Registratur

Acta personalia des Civil Eleven Andreas Friedrich Hahn aus Meseritz im Großherzogthum Posen

[aufgenommen] den 19ten October 1823
examinirt den 23ten September 1826
abgegangen den 19ten April 1827

de 1823
ad 1827

Civ:E:Lit:H No: 29

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Bl. 1

Berlin, den 1ten October 1823

Prüfung des Friedrich Hahn aus Meseritz, dessen Aufnahme als Civileleven der Kg. Thierarzneischule betreffend

Heute meldete sich bei mir zur Prüfung seiner Vorkenntnisse der Friedrich Hahn aus Meseritz im Großherzogthum Posen, ein gelernter Schmidt, mit dem Wunsch als Civil-Eleve in die Kg ThierarzneiSchule aufgenommen zu werden.
Beiliegende schriftliche Arbeiten sind nach einem Conzepte in meiner Gegenwart und ohne alle fremde Hülfe gut gemacht worden, er las und übersetzte das Französische und Lateinische ziemlich, doch fehlten ihm manche Vocabeln. Seine geographischen und geschichtlichen Kenntnisse breiten sich nur über Preußen aus; auch war er nur mit der Geschichte des Hauses Preußen bekannt. Zu den Naturgeschichte war derselbe nur dürftig unterrichtet, doch wußte er ihm vorgelegten Fragen aus der Arithmetik gut zu beantworten. Im Allgemeinen entwickelte er gute Anlagen und VerstandesFähigkeiten und zeigte große Lust für das Studium der Thierheilkunde, so daß ich dessen Aufnahme vorzuschlagen und zu beanrahten[?] mir erlaube

Halbach

Laut vorgezeigter Quittung von 16ten d. M. hat Hahn 60rth Honorar an die Kg. Thierarzneischulkasse richtig bezahlt. Id 16t Octbr. 1823 Halbach

[Anmerkungen in anderer Schrift, unleserlich]

vid: Naumann
Halbach
Acta nach einem Jahr wiedervorzulegen.
Gurlt
Reckleben
Schubarth


Bl. 2

Der hiesige Bürger Huf und Waffenschmidts Hahn Sohn mit Namen Friedrich 18 Jahr alt, hat Lust Thierarzt zu werden. Er ist völlig gesund, auch zeigt [unleserlich] Fähigkeiten dazu. [Unleserlich], schreibt eine sehr gute Hand, versteht zu rechnen, hat auch die Anfangsgründe der lateinischen Sprache erlernt.
Meseritz den 27ten Aug 1823

Medizinal Rath und Kreis Physikus D. Gumpert


Bl. 3

Der Sohn des Hiesigen Schmiedemeisters Hahn, Carl Friedrich hat den Entschluß gefaßt, die ThierarzneyWissenschaft in Berlin zu erlernen, wohin ihn seine Mutter begleitet. Ob er die dazu erforderlichen Vorkenntnisse besitzt, sich der Aufnahme in der Anstalt erfreuen zu können, kann ich nicht beurtheilen, darüber dürfte aber das Zeugnis des hiesigen Kreis-Physici Herrn Medizinal Rath Dr. Gumpert, welches er vorzeigen wird, ein mehreres [?] sagen, da ich aber Gelegenheit gehabt habe den jungen Mann persönlich genau kennen zu lernen und an ihm empfehlenswerteste Eigenschaften zu erkennen, welche zu der Hoffnung berechtigen, daß aus ihm ein sehr brauchbarer dem Zwecke nützlicher Mensch gebildet werden wird; so nehme ich keinen Anstand [?]. ihn denjenigen Herrn Professoren der Thierarzney=Wissenschaft, unter denen er das Glück haben wird, gebildet zu werden, angelegentlichst zu empfehlen und zu bitten ihm beim Mangel elterlicher Anschrift, mit wohl gemeinten Rathe beizustehen.

Meseritz, den 23. Settr. 1823 Schneider Königs Postdirector

Empfehlung für den Carl Friedrich Hahn


Bl. 4

Im Jahre 1805 d. 12ten November wurde ich Andreas Friedrich Hahn in der Kreisstadt Meseritz im Großherzogthum Posen geboren. Mein Vater ein Schmiedemeister daselbst, bekennt sich wie ich zur katholischen Religion, worin ich auch nachdem ich schulfähig war unterrichtet wurde. Der Organist der dortigen katholischen Kirche welcher zugleich Lehrerstelle vertritt, ertheilte mir den ersten Unterricht. Um mich aber in den zum gemeinen Leben nöthigen Kenntnissen zu vervollkommnen, war ich genöthigt die dortige evangelische Schule zu besuchen, woselbst ich auch drei Jahre im Schreiben, Lesen, Rechnen, Geographie und etwas Latein Unterricht erhielt. Ich könnte ohngefähr mein 13tes Lebensjahr vollendet haben, da es auf dem dortigen Postamte an einen Gehülfen mangelte. Der Herr Postdirector Schneider, welcher nicht weit von meinem elterlichen Hause wohnte, glaubte in mir die zum Postfache nöthigen Kenntnisse zu erblicken, ließ mich eines Tages zu sich rufen trug mir das Geschäft als Gehülfe an, welches ich auch mit elterlicher Einwilligung 2 Jahre vorstand. Jetzt war ich 15 Jahr alt und wurde dem Gebrauch der katholischen Kirche gemäß, von dem Herrn Probst Henke confirmiert. Da es in diesem Alter gewöhnlich ist, sich einem Geschäft zu widmen, entschloß ich mich, dem Willen meiner Eltern zu genügen, das Handwerk meines Vaters zu erlernen, wozu ich auch ungemeine Lust und nöthige Kräfte fühlte. Nach vollendeten Lehrjahren, konnte ich die Neigung mich zum Thierarzt zu bilden, nicht unterdrücken, ich eröffnete solche meinen Eltern, und da dies in ihren längst gefaßten Plann eingriff, so brach ich um dies auszuführen am 25ten d. M. meine Reise in Begleitung meiner Mutter an.

Berlin, d. 1ten October 1823 Friedrich Hahn

(in roter Tinte Verbesserungen, wohl von Halbach)


Bl. 4 verso

Welche Eigenschaften muß derjenige haben, welcher die SchmiedeProfession erlernen will und wie kann er sich in diesem Geschäfte am besten vervollkommnen?

Verschieden, und von mannigfaltiger Art sind die Bedürfnisse des Menschen, und von eben dieser Art, die Beschäftigungen wonach fast alle nach dem gemeinschaftlichen Zwecke hinarbeiten, das Leben zu unterhalten, und so manches Bedürfnis desselben zu befriedigen. Unter anderem gehört die Schmiede Profession zu den Unentbehrlichen vorzüglich in Ansehung auf die Erhaltung unseres Lebens, indem sie zur Bearbeitung des Ackers wodurch das erste und nöthigste Bedürfnis befriedigt wird, das meiste beiträgt. Zur Erlernen dieses Handwerks ist erforderlich:
1. Körperkraft, um durch des Hammers kräftige Schläge, dem Eisen seine beliebige Form zu geben.
2. Gehörige Aufmerksamkeit, hinsichts der mannigfaltigen Bearbeitung sowohl als auch der vielen Vortheile bei derselben
3. Gutes Augenmaß in jeder Hinsicht
Bei diesem Geschäft dem man besondere Aufmerksamkeit widmen muß, um es in allen seinen Zweigen zweckmäßig betreiben zu können, muß man, um darinn zu einer ziemlichen Fertigkeit zu gelangen, besonders auf die mannigfaltigen Vortheile bei Bearbeitung des Eisens, und vorzüglich bei Verfertung (Verfertigung) des Hufeisens, und den Beschlagen der Pferde acht haben. Letzteres wäre wohl der Hauptgrund den man, um sich in der SchmiedeProfession zu vervollkommnen, legen müßte. Die meisten Schmiede, denen es an sonstiger Fertigkeit, hinsichts der Bearbeitung ihres Geschäfts nicht mangelt, begehen beim Beschlagen der Pferde die größten Fehler, indem viele mit der Beschaffenheit des Hufs unbekannt, denselben auf eine wiedernatürliche Art ausschneiden, wodurch oft gefährliche Entzündungen, Steingallen, eingezogener Trachten eitr. entstehen. Um dies zu vermindern, müßte man sich mit der eigentlichen Beschaffenheit des Hufs zuerst bekannt machen. Sich hierinn genügende Kenntnisse, und die zweckmäßige Behandlung, nebst Erkennung und Heilung aller Krankheiten des Hufs zu verschaffen


Bl. 5

sind die Belehrungen welche die Königl. Wohllöbliche Thierarzneischule, Jeden, der sich der Aufnahme in dieser zweckmäßigen Anstalt erfreute darf, gewährt höchst nöthig indem man bei keinem gewöhnlichen Schmiedt, hierüber Erfahrung erhalten kann, weil sie keine genügenden Grund ihrer Behandlungsart angeben können, als den, es bei ihren Lehrmeistern so gelernt zu haben. Mein Wunsch ist es, mich in der König Wohllöblichen Thierarzneischule hierselbst hierinn unterrichten zu lassen, und bitte die geehrten Herrn Mitglieder derselben, um gütige Aufnahme.

Fried. Hahn


Bl. 6:

Berlin, den 19ten October 1823

An den Civil Eleven der Königlichen Thierarzneischule Friedrich Hahn

ad nr II, 444.G.B. A.F.

In Folge der durch den Oberthierarzt Halbach am 1ten d.M. bewirkten Prüfung Ihrer Vorkenntnisse, ist wegen Ihrer Aufnahme als Civil Eleve der König: Thierarznei=Schule heute das Erforderliche verfügt worden, welches Ihnen hierdurch bekannt gemacht wird.

Der Friedrich Hahn aus Meseritz im Großherzogthum Posen ist heute auf drei Jahre als Civil Eleve der Königl. Thierarzneischule angenommen worden. Der Sr. Wird solches mit der Weisung bekannt gemacht, die man demselben bereits am 15ten d. M. erhaltenen Sechzig Thaler als eingegangenes Honorar gehörigen Ortes zu vereinnahmen.

Berlin, den 19ten October 1823

H:K:K:f:R

Elelen[?]


Bl. 7

Berlin, den 6ten September 24

An Krg. Rath Prinonoiu[?]

Wohlgeboren
G.W.
Acta personalia des Civileleven Friedrich Hahn aus Meseritz werden in Folge [unleserlich] 19ten October d. Jh. (No II, 444.) gesondert vorgelegt

H[?]önnier

Sind Sie mit den Fortschritten des Hahn zufrieden?
16ten Sept. 1824 Kürzel unleserlich

Hahn ist zwar stets fleißig gewesen, hat sich jederzeit lobenswert betragen u. im allgemeinen auch gute, doch keine ausgezeichneten Fortschritte gemacht; er verspricht ein guter Thierarzt zu werden, allein zu einem Stipendiu qualifiziert er sich noch keineswegs.

22. Sept. 24 Halbach