Die Domäne Dahlem gehört seit 1951 zu den Adressen wechselnder Veterinärmedizinischer Institute der Freien Universität. Dabei fuhr man zu Beginn zweigleisig: zum einen wurde der landwirtschaftliche Betrieb wegen der engen Versorgungslage Berlins beibehalten, zum anderen befand sich in der Anfangszeit der FU die Tierklinik für Geburtshilfe und Fortpflanzungskrankheiten dort. Heute beherbergt die Domäne das Institut für Virologie.

Herrenhaus der Domäne Dahlem von der Königin-Luise-Straße aus gesehen

domaene_dahlem1
Sammlung U. Leinen

Das denkmalgeschützte Herrenhaus der Domäne Dahlem geht in seinem Kern auf das erste Gutshaus aus der Zeit um 1500 zurück. Dieses ist heute noch in der ehemaligen Kapelle und den darunterliegenden Kellergewölben erhalten. Im Außenbau bestimmen jedoch der Barockumbau von 1678-80 und der Anbau des Westflügels von 1913/14 das Bild des Haupthauses. Bei einer Grundüberholung ab 1950 ließ man den barocken Dachstuhl abtragen und ein neues Dach errichten.

Die „Grunewaldbahn“-Linie vor der Domäne Dahlem

Domaene_Dahlem_Tram
Domaene_Dahlem_Tram

Lange Zeit waren Dorf und Domäne Dahlem eine der letzten „dörflichen Idyllen“ in der Berliner Peripherie. Erst 1901 wurde der Grundbesitz der Domäne in Parzellen aufgeteilt und –bis auf das Kerngebiet- rasch veräußert. Es entstanden Villen- und Landhauskolonien, und durch die Verkehrsanbindung der neuen Besiedlungsgebiete sowie des Grunewaldes als Naherholungsgebiet, rückte auch Dahlem enger an das großstädtische Leben. 1905 wurde die „Grunewaldbahn“ eröffnet, eine Straßenbahnlinie, die den Grunewald und Steglitz verband. 1913 kam die „Wilmersdorf-Dahlemer Schnellbahn“ (die heutige U-Bahnlinie zwischen Breitenbachplatz und Thielplatz) mit dem Bahnhof „Dahlem-Dorf“ hinzu. Die Einwohnerzahl des Gutsbezirks war von 135 (1895) auf 3099 (1910) sprunghaft angestiegen.

Klinikschild auf der Domäne Dahlem

Domaene_Dahlem_Schild
Sammlung U. Leinen

Die Domäne Dahlem gehört mit zu den frühesten Adressen der FU-Veterinäre. Im Herrenhaus bezogen die Veterinärmediziner 1951 einige Räume. Sie besaßen hier mehrere Dienstzimmer und zwei Laboratorien. Einen Raum wandelte man zu einem Hörsaal mit 60 Plätzen um. Unter dem Dach hatte noch ein Famulus ein Zimmer. Als Sitzungs- und Prüfungszimmer diente ab 1953 die ehemalige Kapelle, die noch aus dem ersten Gutshaus aus der Zeit um 1500 stammte. Neben dem Institutsbetrieb wurde die Domäne jedoch auch weiterhin landwirtschaftlich bewirtschaftet. Ein Schwerpunkt lag auf der Produktion von Vorzugsmilch, die bis 1973 mit Pferdewagen von Haus zu Haus geliefert wurde.

Gewölbe der ehemaligen Kapelle im Herrenhaus

Domaene_Dahlem_Kapelle_Gewoelbe
Sammlung U. Leinen

Das spätgotische Sterngewölbe der ehemaligen Kapelle gehört zu den ältesten Baustrukturen im Herrenhaus der Domäne Dahlem. Die figürlichen Konsolen mit einem Greifen, einem Löwen und einer Darstellung Christi mit Dornenkrone verweisen auf die ursprünglich sakrale Nutzung. Das Gebäudeinventar von 1850 benennt diesen Raum jedoch als Speisekammer. Mit dem Einzug der Veterinärmediziner führte man die „Kapelle“ wieder einem gehobeneren Zweck zu. Der Raum wurde restauriert und 1953 als Sitzungs- und Prüfungszimmer eingerichtet.

Konsole in der ehemaligen Kapelle, Christus

Domaene_Dahlem_Kapelle_Christus
Sammlung U. Leinen

Figürliche Kapitelle schmücken die ehemalige Kapelle des Herrenhauses. Eine davon zeigt die Büste Christi über einem Ornamentband. Im Haar ist eine Dornenkrone zu sehen. Der Betrachter sollte sich in seiner Andacht in die Leiden versenken, die Christus für ihn erlitten hatte.